Der Chiemgau 14

Traunstein

Traunstein ist als >Stadt vor den Bergern nicht nur sehr schön gelegen, sondern besitzt auch interessante Bauwerke, allerdings wurden die alten Bestände durch schwere Stadtbrände in den Jahren 1371, 1704 und 1851 stark reduziert. Auch die barocke Stadtpfarrkirche St. Oswald war zweimal vom Brand betroffen. Der Wandpfeilerbau der Graubündner Caspar Zuccalli, Antonio Riva und Lorenzo Sciasca (1675-90), wenn auch immer noch imponierend, hat seine originale Stuckdekoration verloren.

Die Oswaldkirche ragt weit hinein in den Stadtplatz. Mitte des 14. Jh. wurde er in Form eines Straßenmarkts angelegt, denn als Umschlagplatz für Salz und Getreide bedurfte Traunstein einer geräumigen Marktfläche. An der Salzstraße von Reichenhall nach München gelegen, 1311 zur Stadt erhoben, kam Traunstein zu Wohlstand. Auch hier am Stadtplatz räumten die Brände gründlich auf, die meisten Bauten sind das Werk des 19. Jh. Unter der Apsis der Kirche steht der Liendlbrunnen des Meisters Stephan (1526). Wer der steinerne Ritter war, weiß man nicht, doch nimmt man an, dass sich hinter dem Liendl der hl. Leonhard verbirgt. Von der alten Stadtbefestigung blieb nur der Brothausturm (Stadtplatz 2), der die Sammlungen des Heimathauses beherbergt. Die Schaumburgerstraße mündet in den Stadtplatz ein, und da sie vom letzten Stadtbrand verschont wurde, sind hier noch alte Häuser im Inn-Salzach-Stil zu sehen.

Traunstein Stadt

Traunstein Stadt

Zwei steile Treppen (Apothekenstiege, Salzmaierstiege) führen hinab zum Karl-Theodor-Platz. Meist mit parkenden Autos vollgestopft ist er wenig geeignet, der zweiten wichtigen Kirche Traunsteins, der Salinenkirche St. Rupert und Maximilian die gebührende Aufmerksamkeit zu sichern. Nachdem der bayerische Hofbaumeister Hans Reiffenstuel eine Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein gelegt hatte (bis 1619), wurde in der Au, unterhalb des Stadtberges, ein großes Sudwerk errichtet. In vier Sudpfannen wurden hier bis zu 215 000 Ztr. Koch-, Vieh- und Dungsalz jährlich erzeugt. Leider wurden die meisten Gebäude der Saline Au in den 1920er-Jahren abgebrochen. Für die Beamten und Arbeiter der Saline ließ Kurfürst Maximilian I. die Salinenkirche errichten. Der kleine Zentralbau über kreuzförmigem Grundriss (1630/31) ist das Werk des Traunsteiners Wolf König.

Wer mit der Bahn von München Richtung Salzburg unterwegs ist, erlebt Traunstein von seiner schönsten Seite. Der Blick auf die Altstadt, in ihrer Mitte die hohe Pfarrkirche, im Hintergrund die Berge um den Hochfelln, ist bestechend. Doch im Norden wird ein kleiner Bau sichtbar, der nicht weniger Aufmerksam verdient: die Kirche St. Vitus und Anna von Ettendorf. Einmal im Jahr, am Ostermontag, ist sie das Ziel einer ganz besonderen Prozession. Der Traunsteiner Georgiritt ist seit dem 15. Jh. Brauch, wie bei den Leonhardiritten wird hier Gesundheit und Erfolg für Stall und Feld erfleht. Über 400 festlich geschmückte Pferde sind mit dabei, und an der Spitze des Zugs reitet der hl. Georg, begleitet vom Ritter Liendl und dem herzoglichen Pfleger Hans von Schaumburg. Auch die Kirche selbst ist eine reine Freude: ein wunderschönes spätgotisches Netzgewölbe, drei prächtige Barockaltäre und eine bemalte Holzempore (1512/14). Erst 1962 wurden die Fresken freigelegt, darunter eine Darstellung der vierzehn Nothelfer in ganzer Figur (1739).

Im Westen führt eine viel befahrene Straße direkt an den Chiemsee. Herrscherin über das weite Ostufer ist Chieming. Hier, in der bajuwarischen Siedlung Chiemingen, lebte im 8. Jh. der Gaugraf Chiemo. Sein Name ging nicht nur auf den Ort, sondern auch auf den See und die umgebende Landschaft über. Chieming ist nicht gerade reich an alter Kunst, die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt stammt aus dem späten 19. Jh. Auch das kleine Schloss Neuenchieming direkt am See, der einstige Hofmarksitz, geht nur im Kern auf das 16. Jh. zurück.

Ausflüge ins Hinterland sind jedoch sehr lohnend. In der Nähe des Chiemseeufers bewegt man sich in Grabenstätt (Kirche St. Johannes mit Fresken des frühen 15. Jh.), in Stöttham (Kirche St. Johannes Baptist, spätgotisch, mit qualitätvollen Altären) und in Ising (Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt, spätgotisch, 1750 ba- rockisiert).

Über Sondermoning (Kirche St. Nikolaus und Johannes d. Tf. mit Flügelaltar um 1490) erreicht man Traunwalchen. Schloss Perten- stein, ein ehemaliges Wasserschloss, ist seit vielen Jahrhunderten im Besitz der Grafen Toerring. Die unregelmäßige Dreiflügelanlage, die im Kern auf das 13. Jh. zurückgeht, verdankt ihre heutige Erscheinung mehrfachen Erweiterungen und Umbauten der Jahre 1601 und 1745-63.

In Traunreut hält man vergeblich nach alten Bauten Ausschau, denn diese Stadt ist eine Geburt der Nachkriegszeit; die erste Ansiedlung wurde von Heimatvertriebenen gegründet. Doch ganz in der Nähe, auf einer Anhöhe über der Traun, steht die Pfarrkirche St.

Georg. Der spätgotische Bau wird wegen seiner außerordentlichen Fresken von Kunstkennern gern besucht. Es sind seltene Szenen, die man hier zu sehen bekommt: das Martyrium des hl. Achatius und seiner Gefährten (um 1504) und die mythische Einhornjagd.

Das Tal verengt sich bei Stein an der Traun. Die etwas düstere Szenerie passt vorzüglich zu dem Schloss, das sich die Herren von Stein und die Herren von Toerring, später die Herzoge von Leuchtenberg hier errichteten. Die Anlage besteht aus drei Teilen, dem Hochschloss (12-15. Jh.), dem Felsenschloss und dem Unteren Schloss. Besonders das Felsenschloss entzückt die Besucher, denn hier soll der Ritter Heinz von Stein im Mittelalter sein Unwesen getrieben haben, eine Art Chiemgauer Blaubart. Das Untere Schloss im Stil der Tudor-Gotik ist Sitz eines Landerziehungsheims.

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Der Chiemgau 13

Am Rande des Teisenbergs (1272 m), entlang der Roten Traun, führt die B 306 nach Siegsdorf. Unterwegs lohnt es sich, in Hammer Station zu machen. Im Ortsteil Mauer finden wir den Wastlbauernhof aus dem Jahr 1762, der nicht nur außen, sondern auch im Innern reich mit Malereien geschmückt ist.

Bei Siegsdorf mündet die Rote Traun in die Weiße Traun, und nördlich der Autobahn finden wir sie als Traun – in Richtung Traunstein fließend – wieder. Im Ort kommen Straßen aus allen Richtungen zusammen, von hier aus ist manche Entdeckungsfahrt zu unternehmen. Siegsdorf wurde 1975 zur paläontologischen Sensation, als im Gerhartsreiter Graben ein Mammutskelett aus der Altsteinzeit gefunden wurde. Zusammen mit anderen Knochenfunden ist es in einem Museum zu betrachten. Auch die Pfarrkirche Mariä Empfängnis (1779-81) lohnt den Besuch, denn das Fresko zum Brand der Stadt Traunstein, das Franz Joseph Soll 1781 malte, ist beeindruckend.

Im Wald verborgen, auf steilem Gelände: Bad Adelholzen mit seinem alten Kurhaus und der Kapelle St. Primus und Mariä Heimsuchung. Ein Märtyrer aus der Zeit Kaiser Diokletians, der hl. Primus, soll die heilende Quelle schon im 3. Jh. entdeckt haben. Adelholzen war einst ein berühmter Podagrabrunnen (Gicht); heute heilt man hier Herz-Kreislauf- und Stoffwechselkrankheiten.

Siegsdorf

Siegsdorf

Ebenso im Wald verborgen eine weitere heilsame Stätte: Maria Eck. Die Wallfahrtskirche auf dem Egg, einem Vorberg des Hochfelln, ist im Chiemgau das verehrteste Pilgerziel, noch heute kommen im Jahr über 100 000 Gläubige hier hinauf. Die Wallfahrt entstand im frühen 17. Jh. aufgrund wunderbarer Lichterscheinungen. Wolf König, der Baumeister der Salinenkapelle von Traunstein, hat die kreuzförmige Anlage errichtet (1635 und 1642). Der prächtige Hochaltar umschließt das Gnadenbild, eine Darstellung der Muttergottes, die von Wallfahrern angebetet wird (um 1630). Im linken Altar ein weiteres Marienbild: eine Ikone, ein russisches Original aus dem 17. Jh. Am Höhepunkt des Wallfahrtsjahres, dem dritten Sonntag im Mai, finden sich hier die Trachtenvereine des Chiemgaus zur Andacht zusammen.

Das Tal von Bergen, im Westen begrenzt vom Bergener Moos, wird von einem der schönsten Chiemgauberge beherrscht, dem Hochfelln (1664 m). Vom Karwendel bis zu den Höhen des Salzkammerguts reicht die Aussicht vom Gipfel, und da eine Großkabinenbahn hinaufführt, wird man sich dies Vergnügen nicht entgehen lassen.

Auf einer Anhöhe über dem Tal, auf dem Weg nach Vachendorf, steht das Jakobuskirchlein von Bernhaupten. Der kleine Bau mit Spitzhelm birgt einen außerordentlichen Altar mit einem spätgotischen Triptychon (um 1475), dessen Tafeln dem Salzburger Kunstkreis (Rueland Frueauf d. A.?) zugeschrieben werden. Noch vom romanischen Bestand der Kirche stammt ein Freskenfragment im Vorhaus (um 1170), das stilistisch den Chorfresken im Frauen- chiemseer Münster ähnelt.

Vachendorf war einst eine wichtige Pfarrei und auch für Bergen zuständig, woraus sich der überaus stattliche Bau der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt erklärt. Der Graubündner Lorenzo Sciasca hat sie 1680-82 auf den Fundamenten einer romanischen Pfeilerbasilika errichtet. Reich geschnitzte Altäre in frühbarockem Schwarz-Gold bestimmen das Raumbild. Das kostbarste Kunstwerk aber ist der ausdrucksvolle romanische Kruzifixus (erste Hälfte 13. Jh.) über dem Sakristeiportal.

Eine weitere auffallend geräumige Kirche dann oben nach der Steigung, am Stadtrand von Traunstein. Die Pfarrkirche St. Mariä Verkündigung in Haslach war bis 1850 Pfarrkirche von Traunstein. Daraus erklärt sich auch die Versammlung großartiger Grabsteine für Geistliche und Patrizier der Stadt in der Turmvorhalle, entlang der Friedhofsmauer und in der Friedhofskapelle.

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Der Chiemgau 12

An der Tiroler Grenze bilden die Berge einen Sperriegel, der am Klobensteinpass von einer tiefen Schlucht durchbrochen wird. Blickt man hinab, so sieht man drunten im >Entenloch< die kühnen Wildwasserkanuten in ihrem Element. Weiter östlich führt eine schattige Straße hinauf zum Streichen und zu einer der außerordentlichsten gotischen Kirchen im Land. Vom Parkplatz geht man die letzten paar hundert Meter bis zur Streichenkirche zu Fuß. Schon der Blick auf die herrliche Bergkulisse ist die kleine Mühe wert: im Süden der Wilde Kaiser, im Westen Breitenstein und Geigelstein.

Wohl schon in vorbajuwarischer Zeit führte ein Saumweg von Unterwössen über den Streichen nach Kössen. Um ihn und das Tal zu schützen, bauten die Herren von Marquartstein im 12. Jh. hier oben eine Burg. Unterhalb liegt die Servatiuskirche; das Langhaus entstand Ende des 13., der Chor Mitte des 15. Jh. Wie in Urschalling sind auch hier die Wände über und über mit gotischen Fresken bedeckt. Für die Malereien am Chorbogen und im östlichen Langhaus – Szenen aus den Heiligenleben – nimmt man einen Salzburger Meister aus dem Umkreis von Konrad Laib an (um 1450); die Fresken im Chor, Darstellungen zur Passion Christi und zum Marienleben, entstanden etwa sechzig Jahre später. Der Flügelaltar im netzgewölbten Chor mit den Schnitzfiguren der Bischöfe Servatius, Dionysius und Wolfgang sowie Reliefs zur Kindheit Jesu wird dem Salzburger Kunstkreis zugeschrieben. Von größter Kostbarkeit ist das kleine Kastenaltärchen links vom Chorbogen, dessen Salzburger Meister sich wohl an der Prager Hofkunst schulte (um 1410).

Die landschaftlich besonders reizvolle Fahrt über Kössen (Tirol) bietet sich an, um nach Reit im Winkl zu kommen. Der Herr des weiten Tals ist der Wilde Kaiser, doch setzen die Hausberge mit dem Walmberg (1062 m) auch weniger schroffe Akzente. Der beliebte Luftkurort und Wintersportplatz (mit der schneesicheren Winklmoos- alm, 1160 m) muss nicht erst vorgestellt werden. Kunst findet man allerdings kaum, doch ist der Weg nach Ruhpolding nicht sehr weit.

Inzel im Winter

Inzel im Winter

Am Rande einer bezaubernden kleinen Seenlandschaft (Weitsee, Mittersee, Lödensee, Ferchensee) führt die Fahrt zu einem weiteren viel besuchten Ort des Chiemgauer Feriendreiecks, dem auch noch Inzell angehört. Ruhpolding liegt in einem weiten Tal, umgeben von sanft gerundeten bewaldeten Bergen. Hausberg ist der 1671 m hohe Rauschberg, dessen vorderer Gipfel mit einer Großkabinenbahn zu erreichen ist. Ruhpoldings Pfarrkirche St. Georg ist nicht zu übersehen, denn sie thront hoch über dem Ort. Der kurfürstliche Holbaumeister Johann Baptist Gunetzrhainer hat ihren Plan geliefert, und so setzt sie einen sehr herrschaftlichen Akzent. Großzügig auch die inneren Proportionen der Wandpfeilerkirche, mit deren Bau 1738 begonnen wurde. Inmitten der goldenen Rokokopracht (besonders die Kanzel ist überschäumend reich dekoriert) dann ein kleines romanisches Kunstwerk voller Ernst und Strenge: die Ruhpoldinger Madonna (s. Abb. S. 16). Erst 1955 wurde sie im benachbarten St. Valentin in einer Feldkapelle entdeckt und ist seither das Ziel der Kunstfreunde. – Da Ruhpolding mit Museen gut ausgestattet ist – darunter das Bartholomäus-Schmucker-Heimatmuseum und das Museum für bäuerliche und sakrale Kunst – ist man hier auch an Regentagen gut beschäftigt.

Südlich vom Ort, am Fuß des Rauschbergs, führt ein Teilstück der Deutschen Alpenstraße nach Inzell. Hier, im Tal der Roten Traun, lebt man von Bergen dicht umgeben. Besonders eindrucksvoll ist die Reiteralpe (2286 m), die von Süden her mächtig und felsig aufragt. Die Hausberge Inzells, Falkenstein (1181 m) und Kienbergl (1135 m) sind dagegen nur kleine Erhebungen. Inmitten des Ortes: die barocke Pfarrkirche St. Michael, wunderschön mit zartem Rankenstuck dekoriert (um 1727). Im Chorbogen fällt der geschnitzte Gnadenstuhl auf – wie die seitlichen Figuren der Schmerzensmutter und des hl. Johannes wohl ein Werk des Reichenhallers Johann Schwaiger.

Der Luftkurort und Wintersportplatz Inzell (Leistungszentrum für Eisschnellauf) ist Ausgangspunkt überaus lohnend | er Wanderungen. In Richtung Adlgaß führt ein Weg nach Osten. Die gotische Kirche St. Nikolaus im Oberland gehört mit dem kleinen Gewässer, in dem sie sich vor dem Hintergrund der Berge spiegelt, zu den schönsten Szenerien im Chiemgau.

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Der Chiemgau 11

Großartig zwischen Feldwies und Grabenstätt: das Achendelta, die breit aufgefächerte Mündungslandschaft der Tiroler Achen (NSG). Von der Quelle am Pass Thum bei Kitzbühel bis zur Mün¬dung in den Chiemsee durchmisst der Fluss eine Strecke von 73 km mit einem Gefälle von 520 Höhenmetern. Das Geschiebe und die Schwebstoffe, die er mitnimmt, lagern sich als Sand, Kies und Schlamm im Delta ab. Wie gewaltig dieser Verlandungsprozess ist, zeigt sich am Beispiel Grabenstätt: der Ort lag noch zu Beginn des 19. Jh. direkt am See!

Auf der Fahrt entlang der Achen bis zur Grenze nach Tirol sind nicht nur schönste Berglandschaften zu bewundern – es gibt auch Kunst in erstaunlich reicher Auswahl. Südlich von Übersee führt eine schmale Straße hinauf zum Westerbuchberg. Vorbei an Höfen, Landhäusern und Gasthöfen geht es zum hell verputzten Bau der Kirche St. Peter und Paul. Die de Westerberc, Dienstmannen der Herren von Marquartstein, hatten hier im 13. Jh. ihre Burg. Aus dieser Zeit stammt auch die Kirche in ihrem Kern, doch wurde sie 1426 (Chor) und 1524 (südliches Seitenschiff) vergrößert. Erstaunlich in dem schönen, netzgewölbten Raum sind die Fresken, die vom frühen 15.Jh. (Fensterlaibungen, Südwand des Langhauses) bis zum späten 16.Jh. entstanden. Hier ist es die späteste Malperiode, die das auffallendste Werk hinterließ: die Darstellung der Vierzehn Nothelfer – ein Flügelaltar mit Gesprenge und allem was dazugehört – doch nicht aus Holz, sondern direkt auf die Wand gemalt!

Grassau

Grassau

Grassau – wunderschön in das hier noch weite Tal der Achen gebettet – besitzt in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt einen schon von außen sehr einladenden Bau. Grassau war einst das geistliche Zentrum des Achentals – zur Pfarrei gehörten zwölf Filialkirchen weshalb der spätgotische Bau (im Kern romanisch) besonders stattlich ausfiel. Barock und Rokoko prägen den Innenraum. Wer Aschaus Pfarrkirche kennt, wird feststellen, wie sehr sich die Stuckaturen gleichen – hier wie dort war wohl ein Mann am Werk, dem man im Chiemgau öfter begegnet: Giulio Zuccalli, genannt Christo- fori (um 1706). Das besondere dieser Kirche sind ihre qualitätvollen Fresken aus drei Perioden: 1425-1706-1766. Etwas versteckt unter der Empore und sehr reizvoll: die Prozession der Bruderschaften zur Himmelsburg, die von den Mitgliedern mit Kugeln frommen Inhalts beschossen wird (um 1706, Jakob Carnutsch). »So wird der Himmel in Grassau erobert«, besagt die Inschrift.

Bei Marquartstein wird das Achental merklich enger, der Hoch- gern (1744 m) im Osten und die Hochplatte (1587 m) im Westen setzen mit ihren Vorbergen die Akzente. Hoch über der Ache thront die Burg Marquartstein. Wenig ist noch von dem mittelalterlichen Bau erhalten, den Graf Marquart aus dem Geschlecht der Sighardinger im 11. Jh. errichtete. Im 13. Jh. fiel die Burg an die Wittelsbacher, wurde Sitz des herzoglichen Pfleggerichts und wäre längst verfallen, wenn sich im 19. Jh. nicht ein bayerischer Adeliger der Gemäuer angenommen hätte. Cajetan Freiherr von Tautphoeus, Ministerialrat und Kämmerer unter König Maximilian II., erwarb die Burg 1857 und baute sie, unterstützt von seiner Frau Jemima Montgomery, einer angloirischen Schriftstellerin, aus. Die Ritterburg, die am Torbau das Wappen der Tautphoeus und Montgomery ziert, blieb etwa hundert Jahre im Familienbesitz und musste sich ab 1959 einen regen Besitzerwechsel gefallen lassen.

Südlich von Marquartstein teilt sich die Hauptstraße. Das Wösse- ner Tal – enger und steiler als das Achental – kann nur in Unterwössen mit sehenswerter Kunst locken. In der barocken Pfarrkirche St. Martin (1780-83) gibt es Fresken von Ignaz Baldauf zu sehen – ein Maler, der im Raum Schrobenhausen sehr aktiv war.

Von hier aus machen sich am Fest Christi Himmelfahrt Hunderte Wallfahrer auf den Weg nach Raiten. Die Trachtenwallfahrt zur Rai- tener Marienkirche gehört zu den großen Volksfesten im Chiemgau. Jedoch ist die kleine Kirche auf dem bewaldeten Hügel auch ohne Wallfahrt lohnend: Wandmalereien aus der Zeit um 1430 wurden bei der letzten Restaurierung freigelegt. Kleinere Moore begleiten die Fahrt in Richtung Schleching. Das weite, überaus freundliche Schiechinger Tal wird im Westen vom Geigelstein (1813 m) begrenzt. Der wegen seiner vielfältigen Vegetation als >Blumenberg des Chiem- gaus< gepriesene Hausberg der Schiechinger steht seit 1991 unter Naturschutz. Nicht nur die Landschaft ist hier wunderschön. Die Pfarrkirche St. Remigius in Schleching gehört zu den attraktivsten ländlichen Kirchen in Oberbayern. Abraham Millauer, bekannt durch seine Kirche von Berbling bei Bad Aibling, war der Baumeister. Angeregt durch böhmische Vorbilder, hat er hier einen fein gegliederten, harmonisch proportionierten und bewegten Wandpfeilerraum geschaffen (1735-37). Und da auch Stuck und Altäre von überdurchschnittlicher Qualität sind, verweilt man hier besonders gern.

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Der Chiemgau 10

Bereits die Fahrt von Frasdorf nach Aschau ist ein Genuss, denn die Kampenwand (1669 m) – zerklüftet und dennoch fein geformt – rückt immer näher. Aschau gruppiert sich um zwei auffallende Bauten: die Pfarrkirche Mariä Lichtmess und das Schloss Hohenaschau, beide in beträchtlicher Entfernung voneinander. Bis 1966 gab es hier noch zwei Gemeinden, Niederaschau und Hohenaschau. Die prachtvollen Doppelzwiebeltürme der Pfarrkirche beherrschen den Ort – wen kümmert es, dass einer davon erst 1904 entstand? Der Münchner Hofbaumeister Johann Baptist Gunetzrhainer hat die alte spätgotische Kirche Mitte des 18. Jh. im Auftrag des Grafen Max IV. von Preysing-Hohenaschau umgebaut. Ihren besonders schönen Stuck erhielt sie zum Teil schon 1702, das neu entstandene nördliche Seitenschiff wurde ab 1752 stuckiert. Die marianischen Fresken treten neben der zarten Stuckpracht in den Hintergrund. Freudig und goldprangend auch die Kanzel und die Altäre mit ihren Figuren, da- runter Arbeiten der Münchner Straub-Werkstatt.

Auch die benachbarte Kreuzkapelle verdient den Besuch, denn sowohl der Altar als auch die Fresken zur Kreuzlegende (1753, Joseph Dieffenbrunner) sind schönstes ländliches Rokoko. Die Stifterin der Kapelle, Maria Anna Schropp, war Wirtin der Hoftaverne, aus der dann der von den Chiemgauem sehr geliebte Gasthof Post wurde. Leider musste dieses traditionsreiche Haus Ende der 1980er- Jahre einem Nobelrestaurant weichen, das sich hier – palastartig verbrämt – etwas seltsam ausnimmt.

Schloss Hohenaschau

Schloss Hohenaschau

Schloss Hohenaschau, auf bewaldeter Anhöhe über der Prien, gehört zu den eindrucksvollsten Anlagen in Bayern. Allerdings stammt der geringste Teil (Bergfried, Ringmauern) aus der Zeit, als sich die Brüder von Hirnsberg hier um 1165 ihre Burg bauten. Pankraz von Freyberg, der Begründer der Eisenhütte am Hammerbach, sorgte Mitte des 16. Jh. für den Ausbau der Befestigung. Die Grafen von Preysing – von 1610-1853 Herren von Hohenaschau – sorgten für die Erneuerung der Schlosskapelle und des Saaltrakts. Schließlich wurden auch unter den Freiherrn von Cramer-Klett, die hier bis 1942 residierten, noch Umbauten vorgenommen. Die barocken Prunkräume sind zu besichtigen, doch ist das Schloss heute nicht allgemein zugänglich; es wird vom Sozialwerk der Bundesfinanzverwaltung genutzt. Italienische Stuckatoren haben im späten 17. Jh. hier gearbeitet – ihr Werk ist im Festsaal zu bestaunen, wo die Ahnen des Hauses Freysing in weißem Stuck die Wände beleben.

Sachrang, nahe der Tiroler Grenze, ist ein ausnehmend hübscher Ort. Die schroffen Wände des Zahmen Kaisers ragen im Süden ins Tal, zu beiden Seiten des Dorfes sind Spitzstein (1596 m) und Geigelstein (1813 m) mit ihren Hütten verlockend nahe. Erstaunlich auch die barocke Pfarrkirche St. Michael. Der Graubündner Giovanni Gaspare Zuccalli hat sie 1687/88 im Auftrag der Grafen von Preysing-Hohenaschau errichtet. Wie im Hohenaschauer Schloss auch hier wunderschöner Stuck, aufgetragen von Giulio Zuccalli und seinem Bruder Pietro. Da auch die Altäre goldprangend sind und reich geschnitzt (um 1690), wird man diesen ländlichen Raum nur ungern verlassen. Im Friedhof dann das Grab des Müllner-Peter, der noch heute als ländliches Genie hochverehrt wird. Peter Huber, in der Mühle am Aschacher Hügel im Jahr 1766 geboren, wuchs nicht nur zum vielseitigen Musiker und Komponisten heran, sondern betätigte sich auch als Heilpraktiker und Bürgermeister. Ihm ist die Rettung der vom Verfall bedrohten Ölbergkapelle St. Rupert – am Waldrand bei der Tiroler Grenze – zu verdanken. Wer ein Kirchenfest in seiner buntesten ländlichen Form erleben will, sollte am dritten Sonntag im September hierherkommen. Dann findet die Bayerisch-tirolerische Wallfahrt statt, unter Einbeziehung der volksbarock ausgestatteten Kapelle, die sich in schönstem Festschmuck zeigt.

Wer auf der Autobahn München-Salzburg, einer der belebtesten deutschen Autobahnen, unterwegs ist, erlebt das Südufer des Chiemsees zwischen Bemau und Übersee aus nächster Nähe. Leider, muss man sagen, denn die schnurgerade geführte Trasse durchschneidet schonungslos den Nordrand eines der schönsten Moorgebiete Süddeutschlands. Die Niedermoore (Moose) und Hochmoore (Filze) wurden jedoch nicht nur durch den Bau der Straße – und der parallel dazu geführten Bahn – geschädigt. Hemmungsloser Torfstich, zum Teil maschinell betrieben, führte zur Austrocknung weiter Moorgebiete. Wenn auch einige Partien schon länger unter Naturschutz stehen – um die Kendlmühlfilze musste allzu lang gekämpft werden. Dieser Moorkomplex von insgesamt 2500 ha, um den die Naturschützer Jahrzehnte stritten, kann jetzt zum Glück auch renaturiert werden.

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Der Chiemgau 9

Auf dem Weg hinab nach Frasdorf passiert man Söllhuben. Die Dorfkirche St. Rupert und Martin macht schon von außen in ihren großzügigen Abmessungen auf sich aufmerksam. Söllhuben gehörte einst zur Herrschaft der Grafen von Hohenaschau. Der Schlossherr Graf Johann von Preysing beauftragte im Jahr 1765 den Münchner Hofbaumeister Johann Michael Fischer mit dem Entwurf für die Kirche. Seinen >Rokokostuck< erhielt der fein proportionierte Zentralraum erst in unserer Zeit (1944). Der barocke Hochaltar (1667) hatte einst seinen Platz in der Streichenkirche über Schleching. – In der Nähe: Höhenmoos und Lauterbach mit verlockend gut ausgestatteten kleinen Kirchen und einem herrlichen Blick auf die Landschaft des Samerbergs.

Doch auch der Weg zurück ins Priental und nach Prien ist überaus lohnend. Der Fluss, der an der Gogl-Alm bei Sachrang entspringt und nach 30 km bei Rimsting in den Chiemsee endet, zeigt sich unterhalb von St. Florian und Wildenwart noch als schlingenreiches Wildwasser. St. Florian, noch zur Gemeinde Frasdorf gehörend, ist ein ungemein attraktiv in die Hügellandschaft gesetzter spätgotischer Bau. Von hier aus zeigen sich die Chiemgauberge um die Kam- penwand von ihrer schönsten Seite. Und seit die Kirche renoviert ist und der prächtige Flügelaltar (um 1500), die barocken Figuren und Fresken zur Florianslegende wieder zu sehen sind, ist die alte Wallfahrtskirche wieder ein beliebtes Kunstziel.

Schloss Wildenwart

Schloss Wildenwart

Auch Schloss Wildenwart verlockt, doch müssen wir hier vor dem Torbau haltmachen, denn die Anlage ist in Wittelsbacher Privatbesitz. Der Vierflügelbau, besetzt mit hübschen Turmzwiebeln, entstand um 1600 und wurde Ende des 17. und 18. Jh. umgestaltet. Im Ostflügel gibt es einen Barocksaal, ausgestattet mit mythologischen Deckenbildem.

Das gesamte obere und mittlere Priental ist von Prien aus bequem zu erkunden – zum Teil auch mit der Bahn. Das Aschauer Bockerl gehört zu den wenigen noch betriebenen Kleinbahnen, schön altmodisch und daher auch liebenswert. Frasdorf, am Rande des mittleren Prientals, gehört nicht zu den Bockerl-Stationen, doch liegt der Ort überaus verkehrsgünstig direkt an der Autobahn. Hier kreuzen sich Haupt- und Nebenstraßen aus allen Richtungen, und so geht es in dem Dorf immer sehr lebhaft zu. Wenn auch die Pfarrkirche St. Margaretha manch gute Figur, manch schönes Bild aus der spätgotischen Bauzeit bewahrt, wenn auch die barocken Fresken lokalgeschichtlich interessant sind – hier hat das 19. Jh. allzu viel verdorben. Frasdorf ist auch in dieser Hinsicht >Durchgangsstation<; man besucht diese Kirche nur auf dem Weg zu anderen. Und die sind nicht nur im Priental zu finden, sondern auch auf den Höhen des nahen Samerbergs.

Das Hochtal am Fuß der Hochries gehört bei aller Nähe zu Rosenheim und dem touristisch so regsamen Chiemsee immer noch zu den stilleren Gegenden. Das kommt den Wanderern zugute, auch den Skilangläufern, die sich hier oben wie im Paradies befinden, mit schönstem Ausblick auf das Inntal und die Berge, wohl versorgt mit gemütlichen Gasthöfen. Die Dörfer und Weiler des Samerbergs liegen, weithin sichtbar oder wohl verborgen, doch immer angenehm locker verstreut, auf den Kuppen und in den Mulden dieser abwechslungsreichen Landschaft. Eiszeitliche Gletscher, die auch das Simsseegebiet entstehen ließen, haben sie geprägt. Im Mittelalter verdingten sich die Bewohner, die sich wegen des steinigen Moränenbodens nicht vom Feldbau ernähren konnten, als Samer (Säumer): so kam es dann zu dem Begriff Samerberg.

Kein Dorf, das nicht in seiner Kirche ein überdurchschnittliches Kunstwerk bewahrt: in Törwang, in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, die Kreuzigungstafel einer Inntaler Werkstatt (um 1460); in Grainbach, in der Kirche St. Ägidius und Nikolaus, Rokokofiguren von Joseph Anton Fröhlich und Joseph Götsch; in Steinkirchen, in der Kirche St. Peter, ein spätgotischer Erbärmdechristus und Barockfiguren von Blasius Maß; und in Roßholzen, in der ehemaligen Wallfahrtskirche St. Bartholomäus, Reliefs zur Bartholomäuslegende einer Inntaler Werkstatt (um 1510) sowie Figuren aus dem Umkreis des Meisters von Rabenden, ebenfalls spätgotisch.

Der beliebteste Aussichtspunkt dieser Gegend ist die Kapelle Obereck bei Törwang, doch geht es noch höher hinauf: die Hochriesbahn bringt uns in zwei Etappen von Grainbach aus zur Hochries (1569 m), einem der lohnendsten Aussichtsberge im Chiemgau. Sie ist – ebenso wie der dreigipfelige Heuberg (1338 m) – Wahrzeichen des Samerbergs, doch blickt sie auch hinab ins benachbarte Priental.

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Der Chiemgau 8

Uneinheitlich ist auch der Bau der Kirche selbst, denn dem um 1160 entstandenen Wehrturm – dem Unterbau des westlichen Kirchenteils – wurde um 1200 das kreuzgratgewölbte Kirchenschiff mit Rundapsis angefügt. Veränderungen im 15. und 18. Jh. ergaben dann das heutige Bild. Das Freskenprogramm: in der Apsis erscheint Christus in der Mandorla, umgeben von den Evangelistensymbolen, darunter und am Apsisbogen die Apostel; im Osten die Menschwerdung Christi und eine Reihe von Heiligen; im Mitteljoch die Passion Christi und die Auferstehung. Erstaunlich ist die Darstellung der hl. Dreieinigkeit im Gewölbe des Chorjochs, denn der hl. Geist erscheint hier in Gestalt einer Frau.

Die Prien, die dem Ort seinen Namen gab, begleitet die viel befahrene Straße nach Rimsting und mündet in die Schafwaschener Bucht. Rimsting, in schöner Terrassenlage über der westlichsten Chiemseebucht, besitzt in der Pfarrkirche St. Nikolaus (15. Jh.; Turmoberbau 1711; Langhaus 1938) einen Bau mit beträchtlicher Fernwirkung. Die schwarz-golden gefassten Altäre und die Kanzel stammen aus dem Bestand der Domstiftskirche von Herrenchiemsee (Ende 17. Jh.).

Von hier aus sind abwechslungsreiche Wanderungen ins Hinterland möglich. Auf dem Weg zur Ratzinger Höhe lohnt ein Besuch der Kirche St. Petrus und Leonhard (15. und 16. Jh.) von Greim harting wegen ihrer spätgotischen Fresken.

 St. Petrus und Leonhard Kirche

St. Petrus und Leonhard Kirche

Die Ratzinger Höhe (694 m) ist wegen ihres freien Rundblicks auf Chiemsee, Simssee und die Berge ein beliebtes Ausflugsziel. Wer sich für den ländlichen Hausbau interessiert, kann in Dirnsberg einen stilreinen Itakerhof entdecken: Der Moarhof gehört zu einer seltsamen, wohl von italienischen Wanderhandwerkern geschaffenen Art, die sich durch eine beträchtliche Firsthöhe, zahlreiche Fenster und eine riesige Diele auszeichnet. Die obersten Fenster täuschen den Betrachter – hinter der wohnlichen Fassade verbirgt sich der Speicher. Itakerhöfe, meist in der zweite Hälfte des 19. Jh. entstanden, gibt es im nahen Umkreis von Rimsting eine ganze Reihe, doch die meisten wurden in unserer Zeit verändert, ihrer schönen Sprossenfenster beraubt.

Auf dem Weg zum Simssee reiht sich eine reizvolle Kirche an die andere: in Mauerkirchen etwa die Kirche St. Johannes und Paulus (Mitte 15. Jh.) mit nadelfeinem Turm (1721) und einem prächtigen barocken Hochaltar; in Antwort die Filial- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt (1687/88, Lorenzo Sciasca) mit schönstem Rokokostuck.

Von Antwort aus führt eine Nebenstraße nach Bad Endorf, wo zwar wenig Kunst zu sehen ist (immerhin gibt es aber eine traditionsreiche Volksbühne), jedoch viel für die Gesundheit getan werden kann. Eine Bohrung nach Erdöl und Erdgas in den Jahren 1962/63 endete ohne Erfolg, doch stieß man bei der Gelegenheit auf eine ergiebige Jodquelle. Aus Endorf wurde 1977 ein Bad, das für sich in Anspruch nimmt, die »stärkste Jod-Thermalsole-Quelle Europas« zu besitzen. Der kunstinteressierte Kurgast kann nördlich des Ortes einige sehenswerte Kirchen (Haifing, Guntersberg, Söchtenau, Vogta- reuth, Straßkirchen) entdecken.

Bei Antwort führen einige steile Kehren hinauf nach Hirnsberg, der ersten Station über den Ufern des Simssees. Mit einer Länge von etwa 6 km und einer Breite bis zu 2 km ist dies – nach dem Chiemsee und dem Waginger See – das größte Binnengewässer zwischen Inn und Salzach. Die Nähe zu Rosenheim zeigt vor allem im Sommer ihre Wirkung, denn das warme, moorhaltige Wasser lockt Badegäste in Scharen an. Größere Orte sind an den Ufern nicht zu finden, und wer Kunst sucht, entdeckt sie vor allem in Hirnsberg. Die Kuratieldrche Mariä Himmelfahrt ist zwar von außen ein wehrhaftstrenger Bau (1488), doch zeigt sie sich innen freundlich barock. Wolf Ganterer, der hier in der Gegend viele IGrchen barockisierte, hat den feinen Akanthusrankenstuck (1743) selbst angebracht. Auch die Altäre – darunter der eindringliche Kreuzaltar an der Nordwand vor dem Chor – sind barock. Besonders reizvoll: die Kanzel, die Thomas Urscher aus Neubeuern mit Mariendarstellungen schmückte.

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Der Chiemgau 7

Peterskirchlein in Meilham

Peterskirchlein in Meilham

Auf dem Weg nach Norden, in Richtung Amerang, sollte Meilham nicht versäumt werden. Die kleine Kirche St. Peter wurde von den einstigen Herren von Amerang, den Laiminger, gestiftet. Sie ließen an das bestehende romanische Langhaus Mitte des 15. Jh. einen gotischen Chor anbauen. Der kleine Saalbau besticht vor allem durch die frische Farbigkeit seiner barocken Altäre, des Netzgewölbes und seiner Schlusssteine. Einige Fresken aus der Zeit um 1500 sorgen in ihrer Zartheit inmitten der satten Farbenpracht für zusätzlichen Reiz.

Amerang ist vor allem bekannt durch sein Schloss, denn im Re- naissance-Arkadenhof werden im Sommer Konzerte veranstaltet. Der wehrhafte Bau, von Verwandten der Veroneser Scaliger um 1500 von einer gotischen Burg in ein Renaissanceschloss umgewandelt, ist heute im Besitz der Freiherrn von Crailsheim. Unten im Ort, in der Pfarrkirche St. Rupert, sind neben qualitätvollen barocken Schnitzwerken sehr schöne Rotmarmor-Grabsteine für Angehörige der Familien Laiming und Von der Laitter (della Scala) zu sehen. – Da Amerang auch ein umfangreiches Bauernhausmuseum besitzt, dazu auch ein Automobilmuseum, ist man in diesem sympathischen Ort gut beschäftigt.

Prien gehört zu den lebhaftesten, vom Verkehr wenig geschonten Orten am Chiemsee. Zudem ist es Station an der Bahnlinie München-Salzburg und besitzt mit dem Ortsteil Stock den wichtigsten Hafen für Fahrten zur Herreninsel. Dennoch: die Rehabilitations- Kliniken und Sanatorien beweisen, dass man sich hier gut erholen kann. Seit 1960 ist der anerkannte Luftkurort Prien auch ICneipp- bad.

Für Kunstfreunde ist der Besuch der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt unerlässlich. Der Barockbau der Jahre 1735-38 wurde von Johann Baptist Zimmermann und seinen Helfern stuckiert und ausgemalt. Seit der Renovierung, die 1988 abgeschlossen wurde, zeigt sich die Kirche wieder in festlichem Glanz. Feiner Bandelwerkstuck begleitet das Hauptfresko, eine Darstellung der Seeschlacht von Lepanto. 1739 feierte die Priener Rosenkranzbruderschaft ihr hundertjähriges Bestehen, und so lag die Wahl dieses Themas nahe. Das Rosenkranzgebet des Papstes Pius V., den der Künstler innerhalb einer Triumphbogenarchitektur zeigt, hat der Überlieferung nach der Schlacht gegen die Türken die entscheidende Wende gebracht. Da auch die Altäre – Werke des Salzburgers Georg Doppler – von schönster Qualität sind, ist der Besuch dieser Kirche eine reine Freude. Wenig beachtet werden im Allgemeinen die Nebenbilder im Langhaus und Altarraum, die den Patronen der sechs Filialen von Prien gewidmet sind, darunter – für Urschalling – der hl. Jakobus.

In Prien gibt es zwei Museen. In der Galerie im Alten Rathaus (Alte Rathausstraße 22) sind Arbeiten bekannter Chiemseemaler zu sehen, die sich in den Gruppen >Bären und Löwen< (1870-97) und >Die Welle< (1922-33) zusammenfanden. Die Sammlungen des Heimatmuseums (Friedhofweg 1) widmen sich der Bauernkultur, der Chiemseefischerei und der Priener Tracht, die sich durch besonders kleidsame Hüte auszeichnet.

Inmitten der Hügelterrassen, die Prien im Süden und Westen umgeben, liegt Urschalling. Die kleine, von außen schlichte Kirche St. Jakobus d. Ä. gehört seit Jahrzehnten zu den beliebtesten Kunstzielen im Chiemgau. Hier bauten sich im Hochmittelalter die Grafen von Falkenstein eine Burg, zu der auch eine kleine Kirche gehörte. Nach dem Aussterben der Falkensteiner fiel ihr Besitz an die bayerischen Herzoge, die ihrerseits die Herren von Aschau-Hirnsberg als Lehensträger einsetzten. Dem letzten aus diesem Geschlecht, Wolfgang von Aschau-Hirnsberg, ist die gotische Ausmalung der Kirche zu verdanken (um 1390). Sie hat Urschalling berühmt gemacht, denn der Freskenzyklus, der sich auf Gewölben und Wänden ausbreitet, ist einzigartig. Doch was man hier sieht, ist nicht das ganze Freskengewand. Ein Blick auf die Nordseite des Chorraums, auf die Darstellung von Adam und Eva nach dem Sündenfall zeigt, dass hier schon ein romanischer Maler am Werk war. Tatsächlich überdeckt der gotische des späten 14. Jh. einen romanischen Freskenzyklus der Zeit um 1200. Die Maler der Zyklen werden – für den romanischen Teil – mit der Salzburger Schule in Verbindung gebracht, während für die gotischen Fresken wohl ein Lokalmeister in Frage kommt.

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Der Chiemgau 6

Der Ort baut sich in mehreren Terrassen bis zum Schlossberg auf. Hier stehen noch Reste der Burg, die sich die Grafen von Orten- burg-Kraiburg, Vögte des Baumburger Stifts, im 12. Jh. errichteten. Die Burgkapelle St. Michael (um 1230; 1624 ausgebaut) war die erste Kirche Trostbergs. Das steile Gelände am schmalen Hang ließ keine großzügige Bebauung zu. So entstanden die dicht aneinander gedrängten Häuserpartien parallel zur Alz, eine Häuserzeile, die wegen ihrer unregelmäßigen Giebellinie auch Trostberger Orgel genannt wird. Bedeutend ansehnlicher sind die Vorderseiten dieser Häuser – die Hauptstraße östlich der Pfarrkirche zeigt sie uns mit ihren hochgezogenen Vorschussmauern als typische Fronten des Inn-Salzachstils.

Die Stadtpfarrkirche St. Andreas ist die Herrscherin der Altstadt, ihre Doppelkuppel gehört zu den schönsten Turmbekrönungen im Chiemgau. Der spätgotische Bau (um 1420, Chor und nördl. Seitenkapelle; 1498-1504 Langhaus mit Empore; 1866 Verlängerung nach Westen) besticht durch sein edles Netzgewölbe und die Empore mit durchbrochenem Maßwerk. Nicht nur lokalgeschichtlich interessant: die Grab- und Gedenksteine der alten Adelsgeschlechter, darunter auch der Hertzhaimer (Hans Valkenauer, Salzburg; Franz Sikkingen, Burghausen), die aus Heretsham bei Kienberg stammten. Hans III. Hertzhaimer, der die Erneuerung des Langhauses stiftete, stand im Dienst Kaiser Maximilians I. und wurde zum Ritter geschlagen.

Im Stadtteil Schädling finden wir das Städtische Heimatmuseum, eine umfangreiche Sammlung, in 35 Räumen präsentiert. Eine eigene Abteilung widmet sich der Kunst des Trostberger Malers Franz Joseph Soll, einer der Meister des Trostberger Rokoko, der im benachbarten Kirchweidach sehr schöne Fresken hinterließ.

rupertiwinkel

Der Rupertiwinkel ist nahe – ihm wird ein eigenes Kapitel gewidmet. Doch in Armutsham, östlich von Trostberg, schon ein kleiner Vorgeschmack auf das, was dann der nördliche Teil des Rupertiwin- kels in höchster Qualität und in fast zahllosen Beispielen bereithält: figurenreiches Bundwerk am Schmidhuberhof.

Wieder zurück am Chiemsee, ist der Bereich südwestlich von Seebruck zu erkunden. Fast jeder See hat seinen Malerwinkel. Hier am Chiemsee finden wir ihn an einer der Buchten des Westufers. Die Aischinger Höhe über Gstadt hat von jeher die Maler angezogen. Die Inseln im flirrenden Sommerlicht, der See bespickt mit bunten Segeln, die Chiemseeberge im Hintergrund – wo könnte der See schöner sein?

Gstadt ist nicht nur der günstigste Ausgangspunkt für die Dampferfahrt nach Frauenchiemsee. Von hier aus, auch vom benachbarten Breitbrunn, lässt sich das Hinterland um die Eggstätt-Hemhofer Seen am besten erkunden. Gstadt selbst besitzt in der Kirche St. Peter und Paul einen hübschen spätgotischen Bau. Das interessanteste Detail stammt allerdings aus früherer Zeit: die Reliefplatte in der Sakramentsnische ist das Fragment einer Chorschranke aus der Abtei Frauenchiemsee (8. Jh.).

Auch in Gollenshausen ist ein spätgotischer Bau zu finden, unverändert noch dazu: die Pfarrkirche St. Simon und Juda. Hier gibt es Freskenreste aus dem frühen 15. Jh. zu betrachten.

Wenige Kilometer westlich von Breitbrunn beginnt mit dem Lang- bürgner See das Gelände der Eggstätt-Hemhofer Seenplatte. Wie die Osterseen bei Seeshaupt am Starnberger See sind auch dies größtenteils Toteisseen, entstanden während der letzten Eiszeit. Moore, kleine Wälder und Moränenhügel begleiten die kleinen Seen. Wenn nicht gerade Badebetrieb herrscht, wirken sie still-melancholisch und sind geeignet für ruhesuchende Wanderer.

Über dem nördlichsten, dem Pelhamer See, thront die Pfarrkirche St. Nikolaus von Höslwang. Nicht nur der schlanke Zwiebelhaubenturm ist sehr attraktiv, auch der Innenraum überrascht durch die besonders reiche Ausstattung. Die Kirche, im Mittelalter im Besitz des Erzbistums Salzburg, wurde Mitte des 15. Jh. durch die Burghau- sener Bauhütte errichtet. Im späten 17. Jh. gab es einen Anbau (Antoniuskapelle), das 18. Jh. brachte die Umgestaltung des Innenraums nach Geschmack und Bedürfnissen dieser Zeit. Der Saalraum begeistert durch kunstvollen, spitzenartigen Wessobrunner Stuck (Engelmund Landes, 1734) und bewegte, goldglänzende Altäre. Ihr Meister ist Johann Georg Lindt, ein Burghausener, der im Umkreis der Salzachstadt sehr produktiv war (Hochaltar 1766).

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Der Chiemgau 5

In erhöhter Lage, von der Straße nach Altenmarkt gut zu sehen, steht die Kirche St. Wolfgang. An dieser Stelle hat der hl. Wolfgang der Überlieferung nach auf der Reise von Regensburg nach Mondsee im Jahr 977 Rast gemacht. Dem Heiligen zu Ehren wurde zunächst eine Kapelle errichtet, im 13. Jh. dann ein größerer Bau, und um 1400 schließlich die heute noch bestehende Kirche. Der romanische Turm wurde dem spätgotischen Bau integriert. Im Innern zeigt sich dann die Wolfgangskirche in prächtigem Spätbarock (1720). Allein die Stuckaturen und die beiden Stuckaltäre sind überaus reizvoll.

Ein Vesperbild aus Steinguss ist noch vom gotischen Bestand geblieben (um 1440/50). In Altenmarkt herrscht immer viel Verkehr, denn hier kreuzen sich wichtige Straßen. Die Alz, die nördlich des Ortes mit der Traun zusammenfließt, stürzt hier als Wasserfall über die Felsen. Der Alz- übergang verschafft noch einen weiteren Genuss: die Klosterkirche von Baumburg zeigt sich an diese Stelle von ihrer schönsten Seite.

St. Wolfgang Kirche in Altenmarkt

St. Wolfgang Kirche in Altenmarkt

Die Ostfassade der Kirche – dem Tal zugewandt – schmückt bunte Rokokomalerei – die Westfassade prunkt mit zwei stattlichen Turmzwiebeln. Doch der erste Eindruck täuscht: die ehemalige Klosterkirche St. Margaretha, die heutige Pfarrkirche, ist kein rein barocker Bau. Die Geschichte des Klosters reicht bis ins frühe 11. Jh. zurück, Gründer war der Chiemgaugraf Sighard IV. aus dem Geschlecht der Sighardinger. Offenbar hatte das erste Kloster nur kurz Bestand, denn schon für die Jahre um 1102 ist eine zweite Gründung überliefert, diesmal durch die Gräfin Adelheid von Sulzbach, die in erster Ehe mit einem Sighardinger verheiratet war. Die ersten Mönche des Augustinerchorherrenstifts kamen aus Berchtesgaden.

Von der ersten Basilika sind noch die Türme und Teile der Umfassungsmauern erhalten. Als 1756 das 600-jährige Weihjubiläum der Stiftskirche zu feiern war, erhielt St. Margaretha ein neues, dem Zeitgeschmack angepasstes Kleid. Der Trostberger Franz Alois Mayr, bekannt vor allem durch seine Wallfahrtskirche Marienberg bei Burghausen, hat die Wandpfeilerkirche errichtet (1755-58). Festlichen Glanz schaffen die fein nuancierten Fresken von Felix Anton Scheff- ler und der zarte Stuck des Wessobrunners Bernhard Rauch. Die Deckenbilder zeigen im Chor die Verherrlichung der hl. Margaretha und das Begräbnis der Gräfin Adelheid; im Langhaus das Leben des hl. Augustinus und das Wirken seines Ordens; über der Orgel König David und musizierende Engel. Erstaunlich ist das Altarblatt des Hochaltars (Joseph Hartmann, 1757) mit der Darstellung König Ludwigs XIV. von Frankreich und seiner Gemahlin, die der Kirchenpatronin für ihre Hilfe danken. Die hl. Margaretha, Fürbitterin kinderloser Ehepaare, hatte das Flehen des königlichen Paares um ei-nen Erbfolger erhört. Auch der bayerische Kurfürst Max III. Joseph und seine Gemahlin Maria Anna, die dieses Hochaltarbild stifteten, sorgten sich um die Erbfolge. Ihr Bitten war jedoch vergeblich, die Ehe blieb kinderlos, und so erlosch die von Kaiser Ludwig dem Bayern begründete Hauptlinie der Wittelsbacher.

Nicht nur das Rokoko, auch die Zeit der Spätgotik ist in dieser Kirche mit qualitätvollen Werken vertreten. Gleich in der Vorhalle: die Deckplatte des ehemaligen Hochgrabs für Adelheid von Sulzbach (Salzburg, um 1430); das Rotmarmorepitaph für Propst Georg Dietrichinger im Anraum nördlich des Chors (Franz Sickinger, 1496/1500); die Tumbadeckplatte für Ritter Oswald von Toerring in der Sakristei (Hans Haider, um 1418); die Kreuztragung in der Hei- lig-Grab-Kapelle (um 1500). – Von den Klosterbauten und den Wirtschaftsgebäuden (1688-1737) ließ die Säkularisation wenig übrig, doch dieser Rest ist in seiner Großzügigkeit auch heute noch attraktiv.

Trostberg ist neben Traunreut und Traunstein der dritte Ort im Chiemgau, der sich als Stadt bezeichnen kann. Unten vom Alzufer her wirkt sie mit ihren dicht gedrängten Häusern sehr einladend; allerdings ist nur die Altstadt sehenswert. Seit hier im Jahr 1908 ein Kraftwerkskanal angelegt und ein großes Kalkstoffwerk errichtet wurde, hat sich Trostberg sehr verändert. Hier beginnt das »oberbayerische Chemiedreiecl«, das bis nach Burghausen und Töging reicht.

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