Im Berchtesgadener Land 6

Bad Reichenhall

Das weite Reichenhaller Becken war schon früh besiedelt. Illyrer, Kelten und Römer lebten hier, ehe sich im 6. Jh. die Bajuwaren ausbreiteten. Es waren die reichen Salzvorkommen, die hier die Begierde weckten, und ihnen verdankt der Ort seinen Namen: >hal< ist das keltische Wort für Salz. Bis heute blieb die Salinentradition lebendig, doch dient die Sole weitgehend der Kur. Bad Reichenhall ist Kurort durch und durch, wohlgepflegt, begrünt und auch klimatisch begünstigt. Von Bergen umringt – die östlichen Ausläufer der Chiemgauer Berge, das Lattengebirge, der Untersberg – kann sich der Ort beschützt fühlen.

Die Solequellen und Sudpfannen, von den Agilolfingerherzögen in Besitz genommen, wurden von Herzog Theodo II. um 700 den Salzburger Erzbischöfen geschenkt. Da sich später auch die Bayern- herzöge für das Salz interessierten, wurde diese Schenkung zum Anlass endlosen Streits. Auch die Reichenhaller Bürger zeigten sich widerspenstig: als sie sich weigerten, den Salzzehnt zu zahlen, ließ Erzbischof Adalbert 1196 die Stadt niederbrennen. Zur Stadt war Reichenhall 1158 durch Heinrich den Löwen erhoben worden. 1219 und 1228 wurden die beiden Keimzellen, das ehemalige Königsdorf und die Marktstadt durch Herzog Ludwig I. ummauert. Nach jahrhundertelangem Streit fiel Reichenhall 1587 endgültig an Bayern. Überschwemmungen der Saalach, vor allem aber die Stadtbrände (1196, 1484, 1515, 1834) verursachten immer wieder schwere Schäden.

Reichenhall

Reichenhall

Ein weiterer Brand im Jahr 1512 traf einen Bau, der im Mittelalter zu den bedeutendsten in Oberbayern gehörte, die Augustinerchorherrenstiftskirche St. Zeno. Erzbischof Konrad I. von Salzburg hat hier 1136 ein Chorherrenstift gegründet. Vorausgegangen war eine Kirche des 8. Jh., die bereits dem hl. Zeno, dem Schutzheiligen gegen Überschwemmungen, geweiht war. Der romanische Bau hatte gewaltige Ausmaße – mit 30 m Breite, 90 m Länge und 16 m Höhe war es die größte Basilika in Altbayern. Diese Kirche (1228 geweiht) war dreischiffig und flach gedeckt, mit Doppelturmanlage im Westen. Nach dem Brand von 1512 wurde sie bis 1520 spätgotisch umgebaut, doch bezog man das romanische Kirchenschiff mit ein. Weitere Veränderungen brachten das 17. und 18. Jh.

Außerordentlich ist das romanische Westportal (um 1200) mit tiefem Gewände, gebaut aus roten und weißen Marmorquadern von den Brüchen in Adnet und am Untersberg. Zwei Löwen tragen die Freisäulen, im Tympanon erscheinen neben der thronenden Madonna die hll. Zeno und Rupert. Das Rankenornament am Türsturz verrät lombardischen Einfluss.

Einige Ausstattungsstücke der gotischen Zeit sind bemerkenswert: im Hochaltar (neu zusammengestellt) die Schnitzgruppe der Marienkrönung (um 1520), seitlich zwei Tafelbilder (Heimgang und Himmelfahrt Mariens) des Münchner Hofmalers Hans Ostendorfer (1516). Auch das Chorgestühl (1520) mit Schnitzwerk an den Brüstungswänden und in den Wandfüllungen weist überdurchschnittliche Qualität auf. Von der romanischen Kirche blieb auch der Kreuzgang, doch wurde er im 14. Jh. gewölbt. An einem Fensterpfeiler des Westflügels fällt das ganzfigurige Herrscherbildnis von Friedrich I. Barbarossa auf, einem der Förderer des Stiftes.

St. Zeno liegt im östlichen Stadtbereich. Nicht weit entfernt, auf dem Weg zum Zentrum, finden wir den Kurpark, umgeben vom Staatlichen Kurhaus, dem Kurmittelhaus und dem Gradierwerk. Das Kurhaus, ein prunkvoller Jugendstilbau (1900), wurde von Max Littmann errichtet, dem Architekten des Münchner Prinzregententheaters. 1912 entstand das Gradierwerk als >Frei- Inhalatoriunn, ein Bau von 160 m Länge, dessen Vorrichtungen der Gesundung der Atemwege dienen.

Die Ludwigstraße führt zur Salinenstraße und der umfangreichen Anlage der Alten Saline. Nach dem Stadtbrand von 1834 hat König Ludwig I. den Bau dieser Saline angeordnet, »wie sie herrlicher keine Stadt Deutschlands bis dahin aufzuweisen vermochte«. Neuromanisch und prächtig, einer Klosteranlage nicht unähnlich, erhebt sich das Hauptbrunnhaus. Das Gebäude steht über den unterirdischen Quellen. Die 22 natürlichen Solequellen dienen heute fast nur noch zur Kur: Vom Brunnhaus werden sie zum Gradierwerk und zum Solespringbrunnen im Kurhaus geleitet. Der hl. Rupertus, Schutzpatron der Saline, wurde auch hier nicht vergessen: die Brunnhauskapelle ist neubyzantinisch, die Glasfenster entwarf Moritz von Schwind. – Die Saline liegt unter der Burg Gruttenstein, die 1219 zum Schutz der Salzquellen errichtet wurde. Mehrfache Zerstörungen zwangen zu Erneuerungen, die Wohngebäude sind spätgotisch.

Im Westen grenzt das Floriansviertel an den Salinenbezirk. Da der letzte Stadtbrand hier nicht Zugriff, sind um den Florianiplatz noch alte Häuser vom Inn-Salzach-Typ erhalten. Von hier aus ist es nicht mehr weit zur Pfarrkirche St. Nikolaus, die 1181 als Filiale von St. Zeno als dreischiffige Basilika gebaut wurde. Nach dem Stadtbrand von 1515 wurde die Kirche gotisch verändert. Westchor, Westfassade und Turm stammen aus den Jahren nach 1861. Der Innenraum wurde 1860 neuromanisch ausgestattet, die Wandbilder stammen von Moritz von Schwind. Aus der Erbauungszeit der Kirche ist noch der reich gestaltete Bogenfries an der Außenmauer der Südapsis vorhanden, und auch im Innern wirkt die Romanik nach.

Lohnend ist der Besuch im Städtischen Heimatmuseum in der Getreidegasse. Ein ehemaliger Getreidestadel (1539) wurde hier zum Museum umfunktioniert, die Sammlung umfaßt Vor- und Frühgeschichte, Handwerk, Gewerbe, Stadtgeschichte, Wohnkultur, Hausrat und sakrale Kunst.

Der Hausberg der Reichenhaller ist der Predigtstuhl (1640 m). Eine Kabinenseilbahn führt hinauf, doch kann man in etwa 3 Stunden auch zu Fuß den Gipfel erreichen. Belohnt wird der Wanderer durch einen herrlichen Blick auf das Reichenhaller Tal und alle Ber- ge vom Dachstein bis zum Kaisergebirge und den Zillertalern.

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