Der Rupertiwinkel 2

Ganz besonders reich an bunt bemaltem Bundwerkdekor sind auch die Stadel in Moosen und Gallersöd, in der Nähe von Kirch- weidach. Die Pfarrkirche St. Veit ist ein Bau des Trostbergers Franz Alois Mayr (1772-74). Ein zweiter Trostberger, Franz Joseph Soll, hat den Zentralraum mit Fresken geschmückt (in der Kuppel Szenen aus der Legende des Kirchenpatrons).

Im benachbarten Asten zieht ein großer spätgotischer Tuffsteinquaderbau den Blick auf sich, die Kirche St. Mariä Himmelfahrt. Der monumentale Hochaltar (1747) mit seinen Figuren ist ein Hauptwerk des Tittmoningers Johann Georg Itzlfeldner – ein Bildhauer, der sich an Salzburger Meistern schulte. Die Muttergottes unter dem Baldachin stammt jedoch nicht von ihm, sie entstand in spätgotischer Zeit.

Im Bereich der Alz lohnt der Besuch von Feichten mit der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Die dreischiffige Hallenkirche wurde 1502 errichtet und 1763 von Franz Alois Mayr barockisiert. Hier arbeitete Mayr, wie später in Kirchweidach, mit dem Maler Franz Joseph Soll zusammen, dem wichtigsten Vertreter des Trostberger Rokoko, dem auch hier erstaunlich qualitätvolle Fresken gelangen. Der Stuck (1749) des farbenfrohen Kirchenraumes ist reich, die Altäre aufwendig, doch inmitten der barocken Pracht ist es das Gnadenbild, eine Madonna des Weichen Stils (um 1420), das durch seine Hoheit und Feinheit entzückt.

Nahe am Chiemgau, im Grenzbereich des Rupertiwinkels, finden wir Heiligkreuz mit der Pfarrkirche Hl. Kreuz. Sie liegt erhöht über der Alz, ein Bau, der 1434 vom Burghausener Oswald Pürkhel begonnen wurde. Auffallend ist die Zweischiffigkeit der Hallenkirche, deren Netzgewölbe von drei Rundpfeilern getragen wird. In der österreichischen Nachbarschaft ist diese Raumform bei Bettelordenskirchen zu finden. Fresken aus gotischer Zeit (um 1480) sind noch vorhanden, ebenso ein Vesperbild, das dem Meister von Seeon zugeschrieben wird. Ganz außerordentlich ist auch das Portal dieser Kirche mit geschmiedeten Beschlägen in Lilienform (erste Hälfte 15. Jh.), wie sie ähnlich auch in Asten zu sehen sind.

Waginger See

Waginger See

Die Rückfahrt an die Salzach führt über den Waginger See. Mit 12 km Länge und 2 km Breite ist dies der viertgrößte bayerische See. Ein Straßendamm zieht sich hinüber an das Ostufer nach Tettenhausen, er wurde 1867 angelegt. Auf diese Weise entstand der kleine Ta- chinger See. Über dem Nordufer, bei Tengling, steht die kleine Kirche St. Koloman. Schon wegen des weiten Blicks auf den See und das Gebirge sollte man hierherkommen. Die spätgotische Kirche lohnt aber auch von innen, denn sie birgt einen erstaunlich aufwendigen Flügelaltar des Laufener Malers und Bildschnitzers Gordian Guckh (1515). In der Mitte des Schreins steht Maria mit dem Kind, begleitet von den hll. Koloman und Jakobus. Der Stifter des Altarwerks, der Waginger Pfarrer Georg Stroppl, ist auch verewigt: man sieht ihn in einem Glasgemälde, vor der Madonna kniend (1503).

Hauptort im Seebereich ist Waging am See, hier begegnen sich Straßen aus allen Richtungen. Schon Kelten und Bajuwaren haben an der Stelle ihre Spuren hinterlassen, und im Mittelalter war die Siedlung wegen ihrer günstigen Lage an der Unteren Salzstraße von Reichenhall nach Wasserburg von einiger Bedeutung. Richtig lebhaft begann es aber erst in den 50er-Jahren des 20. Jh. zu werden, als der Tourismus den Ort entdeckte, der übrigens keineswegs direkt am See liegt. Im malerischen alten Ortskern um die Pfarrkirche St. Martin haben sich noch einige Bauten im Inn-Salzach-Stil erhalten. Das Salzburger Pfleggerichtsgebäude (16. und 17. Jh., Bahnhofstraße 17) zeigt an, wer in Waging der Herr war, und auch in der Geschichte der Martinskirche (1611, Zwiebelhaube 1688) trifft man auf Salzburger Namen: die Salzburger Hofbaumeisterei besorgte 1697-99 den Innenumbau, Tobias Kendler 1722/23 den Chorneubau; der Hochaltar entstand 1786-88 nach Entwurf des Salzburger Hofbaumeisters Wolfgang Hagenauer durch seinen Landsmann Joseph Doppler; an der Ausstattung der Seitenaltäre hat der Salzburger Bildhauer Johann Georg Hitzl mitgewirkt; und schließlich ist auch der besonders reiche Akanthuslaubwerkstuck (1699) im Langhaus einem Stuckator der Salzachstadt zuzuschreiben, Joseph Schmidt.

Jede bayerische Landschaft hat ihre besonderen ländlichen Feste. Hier, um den Waginger See, ist es der Leonhardiritt auf den Wonneberg, der am 6. November zu Ehren des Viehpatrons gefeiert wird. Ziel der Reiter, Pferde und Wagen ist die kleine Wallfahrtskirche St. Leonhard (um 1496). Sie birgt ein außerordentliches Kunstwerk, die gemalten Flügel des ehemaligen gotischen Hochaltars. Die Passionsszenen malte der Laufener Gordian Guckh in großer Eindringlichkeit (1510-13). Und da erst 1981-85 ein Freskenzyklus (1631— 33) an den Gewölbezwickeln und Wänden aufgedeckt wurde, wird man die Fahrt zum aussichtsreichen Wonneberg nicht bereuen.

Ganz in der Nähe, in Gessenberg, ist ein kleines Wasserschloss aus dem 17. Jh. zu sehen. In den letzten beiden Jahrhunderten gab es häufig Besitzerwechsel; seit 1979 residiert hier die Familie von Klit- zing, die im Schloss wechselnde Ausstellungen veranstaltet.

Auf dem Weg zurück zur Salzach ist Fridolfing die nächste Station. Nicht der mächtige Ziegelbau der neugotischen Pfarrkirche St. Mariä Himmelfahrt (1891-94) ist es, der hier das Interesse weckt. Lohnender ist ein Besuch der Kirche St. Johannes Ev. und Johannes d. Tf., auf einer Anhöhe im südlichen Ortsteil. In dem spätgotischen, netzgewölbten Raum sind qualitätvolle Schnitzfiguren, Gemälde und auch Fresken des 15. bis 18. Jh. zu finden. Die vier Gemälde an der Langhausnordwand sind salzburgisch (um 1490); sie stammen vom ehemaligen Johannesaltar, dessen Figuren in der neuen Pfarrkirche zu sehen sind.

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