Der Rupertiwinkel

Der östliche Chiemgau und der Rupertiwinkel bilden landschaftlich eine Einheit. Nur wenig unterscheidet sich das Gebiet um Traun und Alz in seiner Struktur vom Land an Salzach und Saalach. Hier wie dort liebliches, leicht hügeliges Gelände, ein >Land vor den Bergern. Chiemgau und Rupertiwinkel haben ihren Namen beide historischen Gestalten zu verdanken, wenn auch unterschiedlichen Gewichts. Im Vergleich zum hl. Rupert, dem Gründer und ersten Bischof von Salzburg, war der Gaugraf Chiemo ein recht unbedeutender Mann. Als das Erzstift Salzburg säkularisiert wurde, fiel der schmale Landstreifen, den wir heute als Rupertiwinkel kennen, nach einigen Umwegen dem bayerischen Staat zu. Zwischen Asten im Norden und Piding im Süden erstreckt er sich, und die Landkreise Altötting, Traunstein und Berchtesgadener Land teilen sich in ihn.

Tittmoning

Wie im östlichen Chiemgau ist auch im Rupertiwinkel der kulturell prägende Einfluss des Salzburger Erzbistums überall zu spüren. Doch kein Ort, der in seiner Atmosphäre so salzburgisch wäre wie Tittmoning. Erzbischof Eberhard II. ließ die Siedlung im 13. Jh. als Grenzfeste gegen das wittelsbachische Burghausen ausbauen. Die Burg, über der Stadt und der Salzach auf einem Bergkegel gelegen, kündet noch von den Fehden mit den Bayern. Wenn auch mächtig bewehrt, konnte sie im Mittelalter zweimal von den Bayernherzögen eingenommen werden. Erzbischof Markus Sittich musste erst die Belagerungsschäden beheben, ehe er sich die Burg 1614-21 zum Jagdschloss ausbauen konnte. Dennoch wirkt sie mit ihrem umlaufenden Wehrgang, den Schlüsselscharten und Schießluken immer noch martialisch. Heute dient Tittmonings Burg als Heimathaus des Rupertiwinkels. Bekannt ist das Museum wegen seines umfangreichen Bestandes an Schützenscheiben und schmiedeeisernen Grabkreuzen. Neben dem mächtigen Getreidekasten steht die Burgkapelle St. Michael, die überregional bedeutende Kunstwerke birgt: ein Gemälde Johann Michael Rottmayrs (Engelssturz, 1697) sowie Figuren des Salzburgers Michael Bernhard Mändl (um 1700).

Tittmoning

Tittmoning

Tittmonings wichtigster Sakralbau ist die Pfarr- und Stiftskirche St. Laurentius. Der dreischiffige spätgotische Bau wurde nach einem Brand ab 1815 in einen Saalbau verwandelt. Da auch die Altäre größtenteils zerstört wurden, haben die wenigen alten Stücke um so mehr Gewicht. Die beiden großen Leinwandbilder im Chor – Maria Immaculata und Schutzengel – stammen aus der Weihenstephaner Korbinianskapelle und sind Werke von Cosmas Damian Asam (um 1720). Johann Meinrad Guggenbichler, bekannt durch seine Arbeiten für das Kloster Mondsee, fertigte die Schnitzfiguren, die hll. Wolfgang und Bonifatius an (um 1700).

Das Zentrum der Stadt ist der lang gestreckte Stadtplatz. Nur in Salzburg selbst sind die eng aneinandergedrängten, zart getönten Häuser im Inn-Salzach-Stil noch schöner. Nach einem großen Stadtbrand (1571) wurde diese feuerdämmende Bauweise (Grabendächer, hohe Vorschussmauer) zur Pflicht. Eingereiht in die geschlossene Platzfront: das Rathaus (Stadtplatz 1), ein Bau der Jahre um 1580, der 1711 verändert wurde. Auffallend aber vor allem in seinem rosa Putz und dem weißen Stuckdekor ist das Wagnersche Haus (Stadtplatz 39) aus dem 17. und 18. Jh. Reizvoll am Stadtplatz sind die Brunnen, vor allem der volkstümliche Storchenbrunnen Parallel zum Stadtplatz führt die Entenstraße zur ehemaligen Klosterkirche der Augustinereremiten, der Allerheiligenkirche (1682/83). Stifter war Maximilian Gandolph von Khuenburg, der Erzbischof von Salzburg. Die Familie besaß auch ein Haus in Titt- moning, das Khuenburghaus am Stadtplatz 40. Aus den Jahren um 1686 und 1710 stammt die Ausstattung der Allerheiligenkirche; sie umfasst die bedeutendsten Altarwerke des Salzburger Barock in Bayern. Das Altarbild des Hochaltars, eine Allerheiligendarstellung, stammt von Christoph Lederwasch (1686).

Westlich der Burg, bei der Ponlachschlucht, steht die Wallfahrtskapelle Maria Brunn. Eine heilsame Quelle im wasserreichen Pon- lach-Gebiet war der Anlass für eine Wallfahrt. Die erste Steinkapelle ließ der Salzburger Fürstbischof Paris Lodron im Jahr 1624 »aus eigenen Unkosten« bauen; 1716 folgte ein kleiner Zentralbau (Schnitzwerke: Johann Georg Itzlfeldner, 1751).

Wer Sinn für bäuerliche Kultur hat, sollte sich von Tittmoning aus in Richtung Trostberg bewegen. Das Gelände ist recht flach, es wird viel Getreide angebaut. Daher waren seit jeher große Speicherräume nötig – wir finden sie in den prachtvollen Vierseithöfen. Ostoberbayern ist reich an diesen vierseitigen Anlagen, deren Bauten rechteckig um einen Hof angeordnet sind. Meist steht im Norden das Wohnhaus mit angebautem Rossstall, im Westen der Kuhstall, im Osten der Wa-genschuppen und im Süden die Scheune, die man hier Stadel nennt. Kaum ein Bauer, der seinen Stadel nicht aufwenig mit Bundwerk ausschmücken ließ. Das auffallendste Zierelement dieser ländlichen Zimmermannskunst ist das Gitterbundwerk, eine Folge von einander dicht überlagernden Andreaskreuzen, doch finden sich auch figürliche Motive aus dem häuslichen und religiösen Bereich. Die meisten Bundwerkstadel entstanden zwischen 1830 und 1870, und wenn wir die schönsten sehen wollen, entdecken wir sie in Niederbuch, Tyrlbrunn, Heilham, Mitterroidham und Moosham.

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