Der Chiemgau 9

Auf dem Weg hinab nach Frasdorf passiert man Söllhuben. Die Dorfkirche St. Rupert und Martin macht schon von außen in ihren großzügigen Abmessungen auf sich aufmerksam. Söllhuben gehörte einst zur Herrschaft der Grafen von Hohenaschau. Der Schlossherr Graf Johann von Preysing beauftragte im Jahr 1765 den Münchner Hofbaumeister Johann Michael Fischer mit dem Entwurf für die Kirche. Seinen >Rokokostuck< erhielt der fein proportionierte Zentralraum erst in unserer Zeit (1944). Der barocke Hochaltar (1667) hatte einst seinen Platz in der Streichenkirche über Schleching. – In der Nähe: Höhenmoos und Lauterbach mit verlockend gut ausgestatteten kleinen Kirchen und einem herrlichen Blick auf die Landschaft des Samerbergs.

Doch auch der Weg zurück ins Priental und nach Prien ist überaus lohnend. Der Fluss, der an der Gogl-Alm bei Sachrang entspringt und nach 30 km bei Rimsting in den Chiemsee endet, zeigt sich unterhalb von St. Florian und Wildenwart noch als schlingenreiches Wildwasser. St. Florian, noch zur Gemeinde Frasdorf gehörend, ist ein ungemein attraktiv in die Hügellandschaft gesetzter spätgotischer Bau. Von hier aus zeigen sich die Chiemgauberge um die Kam- penwand von ihrer schönsten Seite. Und seit die Kirche renoviert ist und der prächtige Flügelaltar (um 1500), die barocken Figuren und Fresken zur Florianslegende wieder zu sehen sind, ist die alte Wallfahrtskirche wieder ein beliebtes Kunstziel.

Schloss Wildenwart

Schloss Wildenwart

Auch Schloss Wildenwart verlockt, doch müssen wir hier vor dem Torbau haltmachen, denn die Anlage ist in Wittelsbacher Privatbesitz. Der Vierflügelbau, besetzt mit hübschen Turmzwiebeln, entstand um 1600 und wurde Ende des 17. und 18. Jh. umgestaltet. Im Ostflügel gibt es einen Barocksaal, ausgestattet mit mythologischen Deckenbildem.

Das gesamte obere und mittlere Priental ist von Prien aus bequem zu erkunden – zum Teil auch mit der Bahn. Das Aschauer Bockerl gehört zu den wenigen noch betriebenen Kleinbahnen, schön altmodisch und daher auch liebenswert. Frasdorf, am Rande des mittleren Prientals, gehört nicht zu den Bockerl-Stationen, doch liegt der Ort überaus verkehrsgünstig direkt an der Autobahn. Hier kreuzen sich Haupt- und Nebenstraßen aus allen Richtungen, und so geht es in dem Dorf immer sehr lebhaft zu. Wenn auch die Pfarrkirche St. Margaretha manch gute Figur, manch schönes Bild aus der spätgotischen Bauzeit bewahrt, wenn auch die barocken Fresken lokalgeschichtlich interessant sind – hier hat das 19. Jh. allzu viel verdorben. Frasdorf ist auch in dieser Hinsicht >Durchgangsstation<; man besucht diese Kirche nur auf dem Weg zu anderen. Und die sind nicht nur im Priental zu finden, sondern auch auf den Höhen des nahen Samerbergs.

Das Hochtal am Fuß der Hochries gehört bei aller Nähe zu Rosenheim und dem touristisch so regsamen Chiemsee immer noch zu den stilleren Gegenden. Das kommt den Wanderern zugute, auch den Skilangläufern, die sich hier oben wie im Paradies befinden, mit schönstem Ausblick auf das Inntal und die Berge, wohl versorgt mit gemütlichen Gasthöfen. Die Dörfer und Weiler des Samerbergs liegen, weithin sichtbar oder wohl verborgen, doch immer angenehm locker verstreut, auf den Kuppen und in den Mulden dieser abwechslungsreichen Landschaft. Eiszeitliche Gletscher, die auch das Simsseegebiet entstehen ließen, haben sie geprägt. Im Mittelalter verdingten sich die Bewohner, die sich wegen des steinigen Moränenbodens nicht vom Feldbau ernähren konnten, als Samer (Säumer): so kam es dann zu dem Begriff Samerberg.

Kein Dorf, das nicht in seiner Kirche ein überdurchschnittliches Kunstwerk bewahrt: in Törwang, in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, die Kreuzigungstafel einer Inntaler Werkstatt (um 1460); in Grainbach, in der Kirche St. Ägidius und Nikolaus, Rokokofiguren von Joseph Anton Fröhlich und Joseph Götsch; in Steinkirchen, in der Kirche St. Peter, ein spätgotischer Erbärmdechristus und Barockfiguren von Blasius Maß; und in Roßholzen, in der ehemaligen Wallfahrtskirche St. Bartholomäus, Reliefs zur Bartholomäuslegende einer Inntaler Werkstatt (um 1510) sowie Figuren aus dem Umkreis des Meisters von Rabenden, ebenfalls spätgotisch.

Der beliebteste Aussichtspunkt dieser Gegend ist die Kapelle Obereck bei Törwang, doch geht es noch höher hinauf: die Hochriesbahn bringt uns in zwei Etappen von Grainbach aus zur Hochries (1569 m), einem der lohnendsten Aussichtsberge im Chiemgau. Sie ist – ebenso wie der dreigipfelige Heuberg (1338 m) – Wahrzeichen des Samerbergs, doch blickt sie auch hinab ins benachbarte Priental.

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