Der Chiemgau 6

Der Ort baut sich in mehreren Terrassen bis zum Schlossberg auf. Hier stehen noch Reste der Burg, die sich die Grafen von Orten- burg-Kraiburg, Vögte des Baumburger Stifts, im 12. Jh. errichteten. Die Burgkapelle St. Michael (um 1230; 1624 ausgebaut) war die erste Kirche Trostbergs. Das steile Gelände am schmalen Hang ließ keine großzügige Bebauung zu. So entstanden die dicht aneinander gedrängten Häuserpartien parallel zur Alz, eine Häuserzeile, die wegen ihrer unregelmäßigen Giebellinie auch Trostberger Orgel genannt wird. Bedeutend ansehnlicher sind die Vorderseiten dieser Häuser – die Hauptstraße östlich der Pfarrkirche zeigt sie uns mit ihren hochgezogenen Vorschussmauern als typische Fronten des Inn-Salzachstils.

Die Stadtpfarrkirche St. Andreas ist die Herrscherin der Altstadt, ihre Doppelkuppel gehört zu den schönsten Turmbekrönungen im Chiemgau. Der spätgotische Bau (um 1420, Chor und nördl. Seitenkapelle; 1498-1504 Langhaus mit Empore; 1866 Verlängerung nach Westen) besticht durch sein edles Netzgewölbe und die Empore mit durchbrochenem Maßwerk. Nicht nur lokalgeschichtlich interessant: die Grab- und Gedenksteine der alten Adelsgeschlechter, darunter auch der Hertzhaimer (Hans Valkenauer, Salzburg; Franz Sikkingen, Burghausen), die aus Heretsham bei Kienberg stammten. Hans III. Hertzhaimer, der die Erneuerung des Langhauses stiftete, stand im Dienst Kaiser Maximilians I. und wurde zum Ritter geschlagen.

Im Stadtteil Schädling finden wir das Städtische Heimatmuseum, eine umfangreiche Sammlung, in 35 Räumen präsentiert. Eine eigene Abteilung widmet sich der Kunst des Trostberger Malers Franz Joseph Soll, einer der Meister des Trostberger Rokoko, der im benachbarten Kirchweidach sehr schöne Fresken hinterließ.

rupertiwinkel

Der Rupertiwinkel ist nahe – ihm wird ein eigenes Kapitel gewidmet. Doch in Armutsham, östlich von Trostberg, schon ein kleiner Vorgeschmack auf das, was dann der nördliche Teil des Rupertiwin- kels in höchster Qualität und in fast zahllosen Beispielen bereithält: figurenreiches Bundwerk am Schmidhuberhof.

Wieder zurück am Chiemsee, ist der Bereich südwestlich von Seebruck zu erkunden. Fast jeder See hat seinen Malerwinkel. Hier am Chiemsee finden wir ihn an einer der Buchten des Westufers. Die Aischinger Höhe über Gstadt hat von jeher die Maler angezogen. Die Inseln im flirrenden Sommerlicht, der See bespickt mit bunten Segeln, die Chiemseeberge im Hintergrund – wo könnte der See schöner sein?

Gstadt ist nicht nur der günstigste Ausgangspunkt für die Dampferfahrt nach Frauenchiemsee. Von hier aus, auch vom benachbarten Breitbrunn, lässt sich das Hinterland um die Eggstätt-Hemhofer Seen am besten erkunden. Gstadt selbst besitzt in der Kirche St. Peter und Paul einen hübschen spätgotischen Bau. Das interessanteste Detail stammt allerdings aus früherer Zeit: die Reliefplatte in der Sakramentsnische ist das Fragment einer Chorschranke aus der Abtei Frauenchiemsee (8. Jh.).

Auch in Gollenshausen ist ein spätgotischer Bau zu finden, unverändert noch dazu: die Pfarrkirche St. Simon und Juda. Hier gibt es Freskenreste aus dem frühen 15. Jh. zu betrachten.

Wenige Kilometer westlich von Breitbrunn beginnt mit dem Lang- bürgner See das Gelände der Eggstätt-Hemhofer Seenplatte. Wie die Osterseen bei Seeshaupt am Starnberger See sind auch dies größtenteils Toteisseen, entstanden während der letzten Eiszeit. Moore, kleine Wälder und Moränenhügel begleiten die kleinen Seen. Wenn nicht gerade Badebetrieb herrscht, wirken sie still-melancholisch und sind geeignet für ruhesuchende Wanderer.

Über dem nördlichsten, dem Pelhamer See, thront die Pfarrkirche St. Nikolaus von Höslwang. Nicht nur der schlanke Zwiebelhaubenturm ist sehr attraktiv, auch der Innenraum überrascht durch die besonders reiche Ausstattung. Die Kirche, im Mittelalter im Besitz des Erzbistums Salzburg, wurde Mitte des 15. Jh. durch die Burghau- sener Bauhütte errichtet. Im späten 17. Jh. gab es einen Anbau (Antoniuskapelle), das 18. Jh. brachte die Umgestaltung des Innenraums nach Geschmack und Bedürfnissen dieser Zeit. Der Saalraum begeistert durch kunstvollen, spitzenartigen Wessobrunner Stuck (Engelmund Landes, 1734) und bewegte, goldglänzende Altäre. Ihr Meister ist Johann Georg Lindt, ein Burghausener, der im Umkreis der Salzachstadt sehr produktiv war (Hochaltar 1766).

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