Der Chiemgau 5

In erhöhter Lage, von der Straße nach Altenmarkt gut zu sehen, steht die Kirche St. Wolfgang. An dieser Stelle hat der hl. Wolfgang der Überlieferung nach auf der Reise von Regensburg nach Mondsee im Jahr 977 Rast gemacht. Dem Heiligen zu Ehren wurde zunächst eine Kapelle errichtet, im 13. Jh. dann ein größerer Bau, und um 1400 schließlich die heute noch bestehende Kirche. Der romanische Turm wurde dem spätgotischen Bau integriert. Im Innern zeigt sich dann die Wolfgangskirche in prächtigem Spätbarock (1720). Allein die Stuckaturen und die beiden Stuckaltäre sind überaus reizvoll.

Ein Vesperbild aus Steinguss ist noch vom gotischen Bestand geblieben (um 1440/50). In Altenmarkt herrscht immer viel Verkehr, denn hier kreuzen sich wichtige Straßen. Die Alz, die nördlich des Ortes mit der Traun zusammenfließt, stürzt hier als Wasserfall über die Felsen. Der Alz- übergang verschafft noch einen weiteren Genuss: die Klosterkirche von Baumburg zeigt sich an diese Stelle von ihrer schönsten Seite.

St. Wolfgang Kirche in Altenmarkt

St. Wolfgang Kirche in Altenmarkt

Die Ostfassade der Kirche – dem Tal zugewandt – schmückt bunte Rokokomalerei – die Westfassade prunkt mit zwei stattlichen Turmzwiebeln. Doch der erste Eindruck täuscht: die ehemalige Klosterkirche St. Margaretha, die heutige Pfarrkirche, ist kein rein barocker Bau. Die Geschichte des Klosters reicht bis ins frühe 11. Jh. zurück, Gründer war der Chiemgaugraf Sighard IV. aus dem Geschlecht der Sighardinger. Offenbar hatte das erste Kloster nur kurz Bestand, denn schon für die Jahre um 1102 ist eine zweite Gründung überliefert, diesmal durch die Gräfin Adelheid von Sulzbach, die in erster Ehe mit einem Sighardinger verheiratet war. Die ersten Mönche des Augustinerchorherrenstifts kamen aus Berchtesgaden.

Von der ersten Basilika sind noch die Türme und Teile der Umfassungsmauern erhalten. Als 1756 das 600-jährige Weihjubiläum der Stiftskirche zu feiern war, erhielt St. Margaretha ein neues, dem Zeitgeschmack angepasstes Kleid. Der Trostberger Franz Alois Mayr, bekannt vor allem durch seine Wallfahrtskirche Marienberg bei Burghausen, hat die Wandpfeilerkirche errichtet (1755-58). Festlichen Glanz schaffen die fein nuancierten Fresken von Felix Anton Scheff- ler und der zarte Stuck des Wessobrunners Bernhard Rauch. Die Deckenbilder zeigen im Chor die Verherrlichung der hl. Margaretha und das Begräbnis der Gräfin Adelheid; im Langhaus das Leben des hl. Augustinus und das Wirken seines Ordens; über der Orgel König David und musizierende Engel. Erstaunlich ist das Altarblatt des Hochaltars (Joseph Hartmann, 1757) mit der Darstellung König Ludwigs XIV. von Frankreich und seiner Gemahlin, die der Kirchenpatronin für ihre Hilfe danken. Die hl. Margaretha, Fürbitterin kinderloser Ehepaare, hatte das Flehen des königlichen Paares um ei-nen Erbfolger erhört. Auch der bayerische Kurfürst Max III. Joseph und seine Gemahlin Maria Anna, die dieses Hochaltarbild stifteten, sorgten sich um die Erbfolge. Ihr Bitten war jedoch vergeblich, die Ehe blieb kinderlos, und so erlosch die von Kaiser Ludwig dem Bayern begründete Hauptlinie der Wittelsbacher.

Nicht nur das Rokoko, auch die Zeit der Spätgotik ist in dieser Kirche mit qualitätvollen Werken vertreten. Gleich in der Vorhalle: die Deckplatte des ehemaligen Hochgrabs für Adelheid von Sulzbach (Salzburg, um 1430); das Rotmarmorepitaph für Propst Georg Dietrichinger im Anraum nördlich des Chors (Franz Sickinger, 1496/1500); die Tumbadeckplatte für Ritter Oswald von Toerring in der Sakristei (Hans Haider, um 1418); die Kreuztragung in der Hei- lig-Grab-Kapelle (um 1500). – Von den Klosterbauten und den Wirtschaftsgebäuden (1688-1737) ließ die Säkularisation wenig übrig, doch dieser Rest ist in seiner Großzügigkeit auch heute noch attraktiv.

Trostberg ist neben Traunreut und Traunstein der dritte Ort im Chiemgau, der sich als Stadt bezeichnen kann. Unten vom Alzufer her wirkt sie mit ihren dicht gedrängten Häusern sehr einladend; allerdings ist nur die Altstadt sehenswert. Seit hier im Jahr 1908 ein Kraftwerkskanal angelegt und ein großes Kalkstoffwerk errichtet wurde, hat sich Trostberg sehr verändert. Hier beginnt das »oberbayerische Chemiedreiecl«, das bis nach Burghausen und Töging reicht.

See more: Croisières sur le Mékong | voyage à ninh binh 1 jour | visas pour le vietnam | saigon phnom penh 15 jours | voyages vietnam cambodge

You can leave a response, or trackback from your own site.

Leave a Reply