Der Chiemgau 14

Traunstein

Traunstein ist als >Stadt vor den Bergern nicht nur sehr schön gelegen, sondern besitzt auch interessante Bauwerke, allerdings wurden die alten Bestände durch schwere Stadtbrände in den Jahren 1371, 1704 und 1851 stark reduziert. Auch die barocke Stadtpfarrkirche St. Oswald war zweimal vom Brand betroffen. Der Wandpfeilerbau der Graubündner Caspar Zuccalli, Antonio Riva und Lorenzo Sciasca (1675-90), wenn auch immer noch imponierend, hat seine originale Stuckdekoration verloren.

Die Oswaldkirche ragt weit hinein in den Stadtplatz. Mitte des 14. Jh. wurde er in Form eines Straßenmarkts angelegt, denn als Umschlagplatz für Salz und Getreide bedurfte Traunstein einer geräumigen Marktfläche. An der Salzstraße von Reichenhall nach München gelegen, 1311 zur Stadt erhoben, kam Traunstein zu Wohlstand. Auch hier am Stadtplatz räumten die Brände gründlich auf, die meisten Bauten sind das Werk des 19. Jh. Unter der Apsis der Kirche steht der Liendlbrunnen des Meisters Stephan (1526). Wer der steinerne Ritter war, weiß man nicht, doch nimmt man an, dass sich hinter dem Liendl der hl. Leonhard verbirgt. Von der alten Stadtbefestigung blieb nur der Brothausturm (Stadtplatz 2), der die Sammlungen des Heimathauses beherbergt. Die Schaumburgerstraße mündet in den Stadtplatz ein, und da sie vom letzten Stadtbrand verschont wurde, sind hier noch alte Häuser im Inn-Salzach-Stil zu sehen.

Traunstein Stadt

Traunstein Stadt

Zwei steile Treppen (Apothekenstiege, Salzmaierstiege) führen hinab zum Karl-Theodor-Platz. Meist mit parkenden Autos vollgestopft ist er wenig geeignet, der zweiten wichtigen Kirche Traunsteins, der Salinenkirche St. Rupert und Maximilian die gebührende Aufmerksamkeit zu sichern. Nachdem der bayerische Hofbaumeister Hans Reiffenstuel eine Soleleitung von Reichenhall nach Traunstein gelegt hatte (bis 1619), wurde in der Au, unterhalb des Stadtberges, ein großes Sudwerk errichtet. In vier Sudpfannen wurden hier bis zu 215 000 Ztr. Koch-, Vieh- und Dungsalz jährlich erzeugt. Leider wurden die meisten Gebäude der Saline Au in den 1920er-Jahren abgebrochen. Für die Beamten und Arbeiter der Saline ließ Kurfürst Maximilian I. die Salinenkirche errichten. Der kleine Zentralbau über kreuzförmigem Grundriss (1630/31) ist das Werk des Traunsteiners Wolf König.

Wer mit der Bahn von München Richtung Salzburg unterwegs ist, erlebt Traunstein von seiner schönsten Seite. Der Blick auf die Altstadt, in ihrer Mitte die hohe Pfarrkirche, im Hintergrund die Berge um den Hochfelln, ist bestechend. Doch im Norden wird ein kleiner Bau sichtbar, der nicht weniger Aufmerksam verdient: die Kirche St. Vitus und Anna von Ettendorf. Einmal im Jahr, am Ostermontag, ist sie das Ziel einer ganz besonderen Prozession. Der Traunsteiner Georgiritt ist seit dem 15. Jh. Brauch, wie bei den Leonhardiritten wird hier Gesundheit und Erfolg für Stall und Feld erfleht. Über 400 festlich geschmückte Pferde sind mit dabei, und an der Spitze des Zugs reitet der hl. Georg, begleitet vom Ritter Liendl und dem herzoglichen Pfleger Hans von Schaumburg. Auch die Kirche selbst ist eine reine Freude: ein wunderschönes spätgotisches Netzgewölbe, drei prächtige Barockaltäre und eine bemalte Holzempore (1512/14). Erst 1962 wurden die Fresken freigelegt, darunter eine Darstellung der vierzehn Nothelfer in ganzer Figur (1739).

Im Westen führt eine viel befahrene Straße direkt an den Chiemsee. Herrscherin über das weite Ostufer ist Chieming. Hier, in der bajuwarischen Siedlung Chiemingen, lebte im 8. Jh. der Gaugraf Chiemo. Sein Name ging nicht nur auf den Ort, sondern auch auf den See und die umgebende Landschaft über. Chieming ist nicht gerade reich an alter Kunst, die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt stammt aus dem späten 19. Jh. Auch das kleine Schloss Neuenchieming direkt am See, der einstige Hofmarksitz, geht nur im Kern auf das 16. Jh. zurück.

Ausflüge ins Hinterland sind jedoch sehr lohnend. In der Nähe des Chiemseeufers bewegt man sich in Grabenstätt (Kirche St. Johannes mit Fresken des frühen 15. Jh.), in Stöttham (Kirche St. Johannes Baptist, spätgotisch, mit qualitätvollen Altären) und in Ising (Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt, spätgotisch, 1750 ba- rockisiert).

Über Sondermoning (Kirche St. Nikolaus und Johannes d. Tf. mit Flügelaltar um 1490) erreicht man Traunwalchen. Schloss Perten- stein, ein ehemaliges Wasserschloss, ist seit vielen Jahrhunderten im Besitz der Grafen Toerring. Die unregelmäßige Dreiflügelanlage, die im Kern auf das 13. Jh. zurückgeht, verdankt ihre heutige Erscheinung mehrfachen Erweiterungen und Umbauten der Jahre 1601 und 1745-63.

In Traunreut hält man vergeblich nach alten Bauten Ausschau, denn diese Stadt ist eine Geburt der Nachkriegszeit; die erste Ansiedlung wurde von Heimatvertriebenen gegründet. Doch ganz in der Nähe, auf einer Anhöhe über der Traun, steht die Pfarrkirche St.

Georg. Der spätgotische Bau wird wegen seiner außerordentlichen Fresken von Kunstkennern gern besucht. Es sind seltene Szenen, die man hier zu sehen bekommt: das Martyrium des hl. Achatius und seiner Gefährten (um 1504) und die mythische Einhornjagd.

Das Tal verengt sich bei Stein an der Traun. Die etwas düstere Szenerie passt vorzüglich zu dem Schloss, das sich die Herren von Stein und die Herren von Toerring, später die Herzoge von Leuchtenberg hier errichteten. Die Anlage besteht aus drei Teilen, dem Hochschloss (12-15. Jh.), dem Felsenschloss und dem Unteren Schloss. Besonders das Felsenschloss entzückt die Besucher, denn hier soll der Ritter Heinz von Stein im Mittelalter sein Unwesen getrieben haben, eine Art Chiemgauer Blaubart. Das Untere Schloss im Stil der Tudor-Gotik ist Sitz eines Landerziehungsheims.

See more:  ho chi ming croisiere mekong | excursion Ninh Binh 2 jours | demande de visa vietnam | saigon phnom penh 15 jours | circuit cambodge vietnam

You can leave a response, or trackback from your own site.

Leave a Reply