Der Chiemgau 12

An der Tiroler Grenze bilden die Berge einen Sperriegel, der am Klobensteinpass von einer tiefen Schlucht durchbrochen wird. Blickt man hinab, so sieht man drunten im >Entenloch< die kühnen Wildwasserkanuten in ihrem Element. Weiter östlich führt eine schattige Straße hinauf zum Streichen und zu einer der außerordentlichsten gotischen Kirchen im Land. Vom Parkplatz geht man die letzten paar hundert Meter bis zur Streichenkirche zu Fuß. Schon der Blick auf die herrliche Bergkulisse ist die kleine Mühe wert: im Süden der Wilde Kaiser, im Westen Breitenstein und Geigelstein.

Wohl schon in vorbajuwarischer Zeit führte ein Saumweg von Unterwössen über den Streichen nach Kössen. Um ihn und das Tal zu schützen, bauten die Herren von Marquartstein im 12. Jh. hier oben eine Burg. Unterhalb liegt die Servatiuskirche; das Langhaus entstand Ende des 13., der Chor Mitte des 15. Jh. Wie in Urschalling sind auch hier die Wände über und über mit gotischen Fresken bedeckt. Für die Malereien am Chorbogen und im östlichen Langhaus – Szenen aus den Heiligenleben – nimmt man einen Salzburger Meister aus dem Umkreis von Konrad Laib an (um 1450); die Fresken im Chor, Darstellungen zur Passion Christi und zum Marienleben, entstanden etwa sechzig Jahre später. Der Flügelaltar im netzgewölbten Chor mit den Schnitzfiguren der Bischöfe Servatius, Dionysius und Wolfgang sowie Reliefs zur Kindheit Jesu wird dem Salzburger Kunstkreis zugeschrieben. Von größter Kostbarkeit ist das kleine Kastenaltärchen links vom Chorbogen, dessen Salzburger Meister sich wohl an der Prager Hofkunst schulte (um 1410).

Die landschaftlich besonders reizvolle Fahrt über Kössen (Tirol) bietet sich an, um nach Reit im Winkl zu kommen. Der Herr des weiten Tals ist der Wilde Kaiser, doch setzen die Hausberge mit dem Walmberg (1062 m) auch weniger schroffe Akzente. Der beliebte Luftkurort und Wintersportplatz (mit der schneesicheren Winklmoos- alm, 1160 m) muss nicht erst vorgestellt werden. Kunst findet man allerdings kaum, doch ist der Weg nach Ruhpolding nicht sehr weit.

Inzel im Winter

Inzel im Winter

Am Rande einer bezaubernden kleinen Seenlandschaft (Weitsee, Mittersee, Lödensee, Ferchensee) führt die Fahrt zu einem weiteren viel besuchten Ort des Chiemgauer Feriendreiecks, dem auch noch Inzell angehört. Ruhpolding liegt in einem weiten Tal, umgeben von sanft gerundeten bewaldeten Bergen. Hausberg ist der 1671 m hohe Rauschberg, dessen vorderer Gipfel mit einer Großkabinenbahn zu erreichen ist. Ruhpoldings Pfarrkirche St. Georg ist nicht zu übersehen, denn sie thront hoch über dem Ort. Der kurfürstliche Holbaumeister Johann Baptist Gunetzrhainer hat ihren Plan geliefert, und so setzt sie einen sehr herrschaftlichen Akzent. Großzügig auch die inneren Proportionen der Wandpfeilerkirche, mit deren Bau 1738 begonnen wurde. Inmitten der goldenen Rokokopracht (besonders die Kanzel ist überschäumend reich dekoriert) dann ein kleines romanisches Kunstwerk voller Ernst und Strenge: die Ruhpoldinger Madonna (s. Abb. S. 16). Erst 1955 wurde sie im benachbarten St. Valentin in einer Feldkapelle entdeckt und ist seither das Ziel der Kunstfreunde. – Da Ruhpolding mit Museen gut ausgestattet ist – darunter das Bartholomäus-Schmucker-Heimatmuseum und das Museum für bäuerliche und sakrale Kunst – ist man hier auch an Regentagen gut beschäftigt.

Südlich vom Ort, am Fuß des Rauschbergs, führt ein Teilstück der Deutschen Alpenstraße nach Inzell. Hier, im Tal der Roten Traun, lebt man von Bergen dicht umgeben. Besonders eindrucksvoll ist die Reiteralpe (2286 m), die von Süden her mächtig und felsig aufragt. Die Hausberge Inzells, Falkenstein (1181 m) und Kienbergl (1135 m) sind dagegen nur kleine Erhebungen. Inmitten des Ortes: die barocke Pfarrkirche St. Michael, wunderschön mit zartem Rankenstuck dekoriert (um 1727). Im Chorbogen fällt der geschnitzte Gnadenstuhl auf – wie die seitlichen Figuren der Schmerzensmutter und des hl. Johannes wohl ein Werk des Reichenhallers Johann Schwaiger.

Der Luftkurort und Wintersportplatz Inzell (Leistungszentrum für Eisschnellauf) ist Ausgangspunkt überaus lohnend | er Wanderungen. In Richtung Adlgaß führt ein Weg nach Osten. Die gotische Kirche St. Nikolaus im Oberland gehört mit dem kleinen Gewässer, in dem sie sich vor dem Hintergrund der Berge spiegelt, zu den schönsten Szenerien im Chiemgau.

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