Der Chiemgau 11

Großartig zwischen Feldwies und Grabenstätt: das Achendelta, die breit aufgefächerte Mündungslandschaft der Tiroler Achen (NSG). Von der Quelle am Pass Thum bei Kitzbühel bis zur Mün¬dung in den Chiemsee durchmisst der Fluss eine Strecke von 73 km mit einem Gefälle von 520 Höhenmetern. Das Geschiebe und die Schwebstoffe, die er mitnimmt, lagern sich als Sand, Kies und Schlamm im Delta ab. Wie gewaltig dieser Verlandungsprozess ist, zeigt sich am Beispiel Grabenstätt: der Ort lag noch zu Beginn des 19. Jh. direkt am See!

Auf der Fahrt entlang der Achen bis zur Grenze nach Tirol sind nicht nur schönste Berglandschaften zu bewundern – es gibt auch Kunst in erstaunlich reicher Auswahl. Südlich von Übersee führt eine schmale Straße hinauf zum Westerbuchberg. Vorbei an Höfen, Landhäusern und Gasthöfen geht es zum hell verputzten Bau der Kirche St. Peter und Paul. Die de Westerberc, Dienstmannen der Herren von Marquartstein, hatten hier im 13. Jh. ihre Burg. Aus dieser Zeit stammt auch die Kirche in ihrem Kern, doch wurde sie 1426 (Chor) und 1524 (südliches Seitenschiff) vergrößert. Erstaunlich in dem schönen, netzgewölbten Raum sind die Fresken, die vom frühen 15.Jh. (Fensterlaibungen, Südwand des Langhauses) bis zum späten 16.Jh. entstanden. Hier ist es die späteste Malperiode, die das auffallendste Werk hinterließ: die Darstellung der Vierzehn Nothelfer – ein Flügelaltar mit Gesprenge und allem was dazugehört – doch nicht aus Holz, sondern direkt auf die Wand gemalt!

Grassau

Grassau

Grassau – wunderschön in das hier noch weite Tal der Achen gebettet – besitzt in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt einen schon von außen sehr einladenden Bau. Grassau war einst das geistliche Zentrum des Achentals – zur Pfarrei gehörten zwölf Filialkirchen weshalb der spätgotische Bau (im Kern romanisch) besonders stattlich ausfiel. Barock und Rokoko prägen den Innenraum. Wer Aschaus Pfarrkirche kennt, wird feststellen, wie sehr sich die Stuckaturen gleichen – hier wie dort war wohl ein Mann am Werk, dem man im Chiemgau öfter begegnet: Giulio Zuccalli, genannt Christo- fori (um 1706). Das besondere dieser Kirche sind ihre qualitätvollen Fresken aus drei Perioden: 1425-1706-1766. Etwas versteckt unter der Empore und sehr reizvoll: die Prozession der Bruderschaften zur Himmelsburg, die von den Mitgliedern mit Kugeln frommen Inhalts beschossen wird (um 1706, Jakob Carnutsch). »So wird der Himmel in Grassau erobert«, besagt die Inschrift.

Bei Marquartstein wird das Achental merklich enger, der Hoch- gern (1744 m) im Osten und die Hochplatte (1587 m) im Westen setzen mit ihren Vorbergen die Akzente. Hoch über der Ache thront die Burg Marquartstein. Wenig ist noch von dem mittelalterlichen Bau erhalten, den Graf Marquart aus dem Geschlecht der Sighardinger im 11. Jh. errichtete. Im 13. Jh. fiel die Burg an die Wittelsbacher, wurde Sitz des herzoglichen Pfleggerichts und wäre längst verfallen, wenn sich im 19. Jh. nicht ein bayerischer Adeliger der Gemäuer angenommen hätte. Cajetan Freiherr von Tautphoeus, Ministerialrat und Kämmerer unter König Maximilian II., erwarb die Burg 1857 und baute sie, unterstützt von seiner Frau Jemima Montgomery, einer angloirischen Schriftstellerin, aus. Die Ritterburg, die am Torbau das Wappen der Tautphoeus und Montgomery ziert, blieb etwa hundert Jahre im Familienbesitz und musste sich ab 1959 einen regen Besitzerwechsel gefallen lassen.

Südlich von Marquartstein teilt sich die Hauptstraße. Das Wösse- ner Tal – enger und steiler als das Achental – kann nur in Unterwössen mit sehenswerter Kunst locken. In der barocken Pfarrkirche St. Martin (1780-83) gibt es Fresken von Ignaz Baldauf zu sehen – ein Maler, der im Raum Schrobenhausen sehr aktiv war.

Von hier aus machen sich am Fest Christi Himmelfahrt Hunderte Wallfahrer auf den Weg nach Raiten. Die Trachtenwallfahrt zur Rai- tener Marienkirche gehört zu den großen Volksfesten im Chiemgau. Jedoch ist die kleine Kirche auf dem bewaldeten Hügel auch ohne Wallfahrt lohnend: Wandmalereien aus der Zeit um 1430 wurden bei der letzten Restaurierung freigelegt. Kleinere Moore begleiten die Fahrt in Richtung Schleching. Das weite, überaus freundliche Schiechinger Tal wird im Westen vom Geigelstein (1813 m) begrenzt. Der wegen seiner vielfältigen Vegetation als >Blumenberg des Chiem- gaus< gepriesene Hausberg der Schiechinger steht seit 1991 unter Naturschutz. Nicht nur die Landschaft ist hier wunderschön. Die Pfarrkirche St. Remigius in Schleching gehört zu den attraktivsten ländlichen Kirchen in Oberbayern. Abraham Millauer, bekannt durch seine Kirche von Berbling bei Bad Aibling, war der Baumeister. Angeregt durch böhmische Vorbilder, hat er hier einen fein gegliederten, harmonisch proportionierten und bewegten Wandpfeilerraum geschaffen (1735-37). Und da auch Stuck und Altäre von überdurchschnittlicher Qualität sind, verweilt man hier besonders gern.

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