Der Chiemgau 10

Bereits die Fahrt von Frasdorf nach Aschau ist ein Genuss, denn die Kampenwand (1669 m) – zerklüftet und dennoch fein geformt – rückt immer näher. Aschau gruppiert sich um zwei auffallende Bauten: die Pfarrkirche Mariä Lichtmess und das Schloss Hohenaschau, beide in beträchtlicher Entfernung voneinander. Bis 1966 gab es hier noch zwei Gemeinden, Niederaschau und Hohenaschau. Die prachtvollen Doppelzwiebeltürme der Pfarrkirche beherrschen den Ort – wen kümmert es, dass einer davon erst 1904 entstand? Der Münchner Hofbaumeister Johann Baptist Gunetzrhainer hat die alte spätgotische Kirche Mitte des 18. Jh. im Auftrag des Grafen Max IV. von Preysing-Hohenaschau umgebaut. Ihren besonders schönen Stuck erhielt sie zum Teil schon 1702, das neu entstandene nördliche Seitenschiff wurde ab 1752 stuckiert. Die marianischen Fresken treten neben der zarten Stuckpracht in den Hintergrund. Freudig und goldprangend auch die Kanzel und die Altäre mit ihren Figuren, da- runter Arbeiten der Münchner Straub-Werkstatt.

Auch die benachbarte Kreuzkapelle verdient den Besuch, denn sowohl der Altar als auch die Fresken zur Kreuzlegende (1753, Joseph Dieffenbrunner) sind schönstes ländliches Rokoko. Die Stifterin der Kapelle, Maria Anna Schropp, war Wirtin der Hoftaverne, aus der dann der von den Chiemgauem sehr geliebte Gasthof Post wurde. Leider musste dieses traditionsreiche Haus Ende der 1980er- Jahre einem Nobelrestaurant weichen, das sich hier – palastartig verbrämt – etwas seltsam ausnimmt.

Schloss Hohenaschau

Schloss Hohenaschau

Schloss Hohenaschau, auf bewaldeter Anhöhe über der Prien, gehört zu den eindrucksvollsten Anlagen in Bayern. Allerdings stammt der geringste Teil (Bergfried, Ringmauern) aus der Zeit, als sich die Brüder von Hirnsberg hier um 1165 ihre Burg bauten. Pankraz von Freyberg, der Begründer der Eisenhütte am Hammerbach, sorgte Mitte des 16. Jh. für den Ausbau der Befestigung. Die Grafen von Preysing – von 1610-1853 Herren von Hohenaschau – sorgten für die Erneuerung der Schlosskapelle und des Saaltrakts. Schließlich wurden auch unter den Freiherrn von Cramer-Klett, die hier bis 1942 residierten, noch Umbauten vorgenommen. Die barocken Prunkräume sind zu besichtigen, doch ist das Schloss heute nicht allgemein zugänglich; es wird vom Sozialwerk der Bundesfinanzverwaltung genutzt. Italienische Stuckatoren haben im späten 17. Jh. hier gearbeitet – ihr Werk ist im Festsaal zu bestaunen, wo die Ahnen des Hauses Freysing in weißem Stuck die Wände beleben.

Sachrang, nahe der Tiroler Grenze, ist ein ausnehmend hübscher Ort. Die schroffen Wände des Zahmen Kaisers ragen im Süden ins Tal, zu beiden Seiten des Dorfes sind Spitzstein (1596 m) und Geigelstein (1813 m) mit ihren Hütten verlockend nahe. Erstaunlich auch die barocke Pfarrkirche St. Michael. Der Graubündner Giovanni Gaspare Zuccalli hat sie 1687/88 im Auftrag der Grafen von Preysing-Hohenaschau errichtet. Wie im Hohenaschauer Schloss auch hier wunderschöner Stuck, aufgetragen von Giulio Zuccalli und seinem Bruder Pietro. Da auch die Altäre goldprangend sind und reich geschnitzt (um 1690), wird man diesen ländlichen Raum nur ungern verlassen. Im Friedhof dann das Grab des Müllner-Peter, der noch heute als ländliches Genie hochverehrt wird. Peter Huber, in der Mühle am Aschacher Hügel im Jahr 1766 geboren, wuchs nicht nur zum vielseitigen Musiker und Komponisten heran, sondern betätigte sich auch als Heilpraktiker und Bürgermeister. Ihm ist die Rettung der vom Verfall bedrohten Ölbergkapelle St. Rupert – am Waldrand bei der Tiroler Grenze – zu verdanken. Wer ein Kirchenfest in seiner buntesten ländlichen Form erleben will, sollte am dritten Sonntag im September hierherkommen. Dann findet die Bayerisch-tirolerische Wallfahrt statt, unter Einbeziehung der volksbarock ausgestatteten Kapelle, die sich in schönstem Festschmuck zeigt.

Wer auf der Autobahn München-Salzburg, einer der belebtesten deutschen Autobahnen, unterwegs ist, erlebt das Südufer des Chiemsees zwischen Bemau und Übersee aus nächster Nähe. Leider, muss man sagen, denn die schnurgerade geführte Trasse durchschneidet schonungslos den Nordrand eines der schönsten Moorgebiete Süddeutschlands. Die Niedermoore (Moose) und Hochmoore (Filze) wurden jedoch nicht nur durch den Bau der Straße – und der parallel dazu geführten Bahn – geschädigt. Hemmungsloser Torfstich, zum Teil maschinell betrieben, führte zur Austrocknung weiter Moorgebiete. Wenn auch einige Partien schon länger unter Naturschutz stehen – um die Kendlmühlfilze musste allzu lang gekämpft werden. Dieser Moorkomplex von insgesamt 2500 ha, um den die Naturschützer Jahrzehnte stritten, kann jetzt zum Glück auch renaturiert werden.

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